k10 redaktion

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fair fashion JEEIngolstadt | Janina Ebner von Eschenbach ist mit ihrer fair fashion Designer-Mode die neue Mieterin im Pop-Up-Store in der Theresienstr. 13. Gerade in den Zeiten in denen sich die Skandale in der Textilindustrie mit ihren vielen vermeintlich seelenlosen Modeketten, die in Fernost produzieren lassen, häufen, gewinnt das Thema nachhaltige Mode immer mehr an Bedeutung. Eleganz und Luxus fühlen sich nur gut an, wenn auch die Produktionskette stimmt, eben dann wenn keine Tiere, Arbeiter oder Landschaften dafür ausgebeutet wurden. „Sustainable Fashion“ hat jedoch leider teilweise den fahlen Beigeschmack, in Punkto Style schlecht abzuschneiden. Bei der Mode, die die junge Fashionexpertin Janina Ebner von Eschenbach seit Kurzem im Pop-up-Store „zeit[t]raum“ unter dem Label „Studio j.EE“ verkauft, ist das anders. Sie bringt einen Conceptstore für faire Beachwear, Resortwear und Loungewear von den Küsten der Welt nach Ingolstadt.


Die Klamotten, werden teils von ihr und ihrer Mutter selbst designt, teils von anderen Labels aus Australien, den USA oder Bali bezogen. Hierbei steht neben der Nachhaltigkeit das stylische Design im Vordergrund. „Ich lege besonderen Wert darauf, dass die Produkte durch ihre hervorragende Qualität in die nächste Generation weiter gegeben werden können“, sagt die engagierte Jungunternehmerin. So wird naturreinste Kaschmir-, Yak- oder Kamel-Wolle direkt aus der Mongolei, die frei von jeglichen schädlichen Farbstoffen ist, zu edlen Lieblingsstücken verarbeitet. Kurzum: der Laden ist ein Paradies für luxuriöse Fashion- und Lifestyleprodukte für Damen, Herren und Kids.

Nachhaltige Mode mit Stil

Um dieses Fashionkonzept in Ingolstadt zu testen, eignet sich der Pop-up-Store „zeit[t]raum“ bestens, da sich Existenzgründer und Jungunternehmer hier zu vergünstigten Konditionen und geringem Risiko ausprobieren können, bevor sie sich dauerhaft stationär binden. Der Laden ist Teil der Initiative Cityfreiraum, die vom Innenstadtverein IN-City, dem Existenzgründerzentrum und der Wirtschaftsförderungsgesellschaft IFG angeboten wird, um kreativen, engagierten Persönlichkeiten den Weg in die Selbstständigkeit zu erleichtern. Wenn auch Sie Lust haben, sich selbstständig zu machen, auf www.cityfreiraum-ingolstadt.de informieren.

 

(Foto: IFG/Binder)

Beate Diao Engert 348Ingolstadt | Beate Diao zeigt noch bis 14. Oktober eigene künstlerische Arbeiten im Rahmen der Ausstellungsreihe KUNSTSTÜCKE des BBK Ingolstadt und Nordbayern. Es geht um die Schönheit von Flora, Fauna, Mikrokosmos, die Künstlerin hebt ab auf Strukturen und Ornamentik. Besonders faszinieren die Künstlerin offensichtlich Gehirne, Kraken und Insekten, deren Ästhetik sie wirkungsvoll herausstellt. Einen eigenen Raum nehmen politische Themen wie Klimawandel, Krieg und Zerstörung ein. Eine stimmige, ansprechende und berührende Bilderschau, mit Themenreihen als spannenden Facetten.

Beate Diao ist öffentlich vor allem als künstlerische Leiterin der Kunstschule „Kunst- und Kulturbastei“ präsent, die junge Menschen für außergewöhnliche Kunstprojekt begeistern kann und diese großformatig und gerne im öffentlichen Raum umsetzt. Ein Exkurs zur Kunstvermittlerin und Kulturmanagerin Beate Diao lag bei der Ausstellungseröffnung daher nahe, auch wenn es an diesem Tag – eigentlich - um die Künstlerin ging. Beate Diao sei eine Macherin, die auch sehr komplexe Ideen umsetzen könne, eine geborene Vernetzerin, eine Antreiberin, die (ihn) immer wieder überzeugen konnte, wenn (finanzielle) Rahmenbedingungen geschaffen werden mussten, um jungen Menschen die Arbeit mit Kunst, Musik, Theater, Mode und mit professionellen Kunstschaffenden zu ermöglichen. „Und sie ist hartnäckig“, bekannte Kulturreferent Gabriel Engert lachend bei seiner Begrüßung, die dann doch eine fulminante und verdiente Laudatio für die Kulturarbeiterin Beate Diao wurde. Seit der Gründung ihrer Kunstschule, vor zwölf Jahren noch in der eigenen Garage in Ringsee, realisierte Diao oftmals ungewöhnliche Projekte mit Kindern und Jugendlichen. Die Erweiterung um die Bereiche Musik, Theater, Stelzengang, Mode kam mit dem Einzug in die Harderbastei, die damit zur „Kunst- und Kulturbastei“ wurde. Diao brachte „urban knitting“ und 3 D- Illusionsmalerei auf die Plätze Ingolstadts, schickte die stromlos-Bigband durch die Straßen. Die Reithalle im Klenzepark hat Diao eigenhändig, natürlich immer zusammen mit vielen anderen, wie sie stets betont, von der Decke bis zum Boden in schwarzen Bühnenmolton gehüllt, als sie 2011 ihr bisher wohl spektakulärstes Kunstprojekt „Galaktisch: Expedition ins All“ umsetzte. Mehr als 1000 Kinder und Jugendliche, 100 Schulen, Museen, Firmen und Kunstakteure, selbst ein echter Astronaut wirkten mit, um ein Universum aus Fantasie und Schwarzlicht zum Leuchten zu bringen. Er sei heute noch beeindruckt, so der Kulturreferent. Viel Applaus für diese schöne öffentliche Würdigung und für die Kunst- und Kulturfrau in der gut besuchten Harderbastei.

Der Künstlerin Beate Diao wandte sich der BBK-Vorsitzende Werner Kapfer zu. Er begründete die ästhetische und künstlerische Qualität der Werke. „Kunst kann schön sein, sie muss es nicht. Aber sie muss berühren und eigene Gedanken anregen, das erwarten wir von guter Kunst.“ Kapfer betonte die Disziplin und das planvolle Vorgehen, die gerade für die Schnitttechniken wichtig seien. Von der Bildidee zum ersten Schnitt in Holz, Linoleum oder Papier brauche es genaue Planung und einen intensiven Klärungsprozess vorab. „Auffallend ist ihre von Sorge geprägte Wahrnehmung politischer Entwicklungen“, zeigt sich Kapfer selbst sehr bewegt von den Werken, die Diao im Nebenraum versammelt hat. Plakativ setzt sie den „Hassprediger“ in Szene – einen ganzen Tag hat sie gezielt Wörter gesammelt, die negativ, ungerecht, bedrohlich sind. Erschreckend bekannt sind uns Sprache und Gesichtsausdruck des Fanatismus. „Danach ging es mir erst einmal nicht gut.“, beschreibt sie selbst die Intensität dieser Auseinandersetzung. Berührend sind die Scherenschnitte von spielenden Kindern in der harmlosen Anmutung, die wir aus Poesiealben kennen. Die Bomben in diesen Bildern wirken kurz wie ein dekoratives Muster. Bedrohungen, die uns selbst nur in den Nachrichten, im entfernten Leben anderer Menschen begegnen. Die wir wegschalten können, wenn es uns zu viel Terror und Gewalt wird. Die Beate Diao festhält. Kindergesichter gezeichnet vom Leid des Krieges zeigt sie neben einem Frauengesicht mit dem schmerzlichen Ausdruck der Enttäuschung über ein verlorenes Fußballspiel. Diao hat sich mit Schmerz auseinandergesetzt, Bilder gesucht und geschaffen – Gesicht für Gesicht, Schnitt für Schnitt in das Linoleum. Wegschalten geht hier nicht, diese ruhigen Bilder bleiben. Folgen des Krieges auch in der Zeichnung „Homs – eine Stadt in Auflösung“. In feinsten Punkten hat die Künstlerin über viele Monate hinweg das Bild der zerstörten, syrischen Stadt nachgezeichnet. Punkt für Punkt für Punkt. 200.000 mal. Als würde sie jedes einzelnen Menschen gedenken …

Es gibt auch die helle Seite. Die Künstlerin selbst ist fasziniert von der Ästhetik der Ordnung, die sie in Flora und Fauna findet. Sie zeigt uns diese Faszination. Sie sucht die Schönheit von Kraken, Quallen, Insekten oder Pflanzen. Gehirnstrukturen oder die Iris des Auges – das interessiert und inspiriert sie. So ergibt sich eine starke, fast schon spirituelle Ornamentik, wenn sie Käfer symmetrisch anordnet. Die Schönheit von Ordnung beruhigt, heilt vielleicht sogar, täte der Welt gut, weiß Beate Diao. Herrlich abgedreht dagegen die Pilze die aus einem Gehirn wachsen. Unerwartet das Stück Kabel, das wie eine Prothese den Tentakel eines Oktopoden ersetzt. Eine kleine Serie ist der Harderbastei gewidmet – „fast schon meine zweite Heimat“. Die thematischen Bilderpaare die mit „Klimawandel“ oder „Wem gehört das Wasser“, betitelt sind, laden erst zum Hinsehen ein und dann zu kritischen Gedanken. Die freundliche Pusteblume auf lichtem Himmelblau und der schöne rote Klatschmohn sind auch ein solches Bilderpaar. Es heißt „Unkraut“.


"Kunststücke" von Beate Diao noch bis Sonntag, 14. Oktober in der Harderbastei, Oberer Graben 55.
Geöffnet von Donnerstag bis Sonntag jeweils von 11 bis 18 Uhr.

www.beate-diao.de | www.kunstundkulturbastei.de | www.bbk-ingolstadt.de |

 

Der Kulturkanal Ingolstadt mit Interview und Bericht | hier Beates Diao ästhetisches Universum

 

Wichtiges Bild Beate Diao portrait vor AchtungKultur 700

Beate Diao

2018 | Einzelausstellung „Kunststücke“
2013 - 2018 | Ausstellungsbeteiligungen: Konflikt – Der Zweck des Gemetzels, Kap 94 ; Frankenstein 4.0, BBK Ingolstadt und Bayern; Kunstmesse Ingolstadt „Glaube“ BBK- Ausstellung im Rathausfletz Neuburg/Donau; „Kunst deines Nachbarn“, Städtische Galerie Pfaffenhofen; „Hand und Kunst“ , Kulturgeschichte der Hand in Wolnzach; Stadtgestalt-Geschichte-Vision“ des BBK Ingolstadt
2015 | Wahl zur 2. Vorsitzenden des BBK Obb. Nord und Ingolstadt
2012 | Bühnenbild Stadttheater Ingolstadt „Frau Weiß sieht rot“

2010 | Gründungsmitglied des Vereins „Künstler an die Schulen e.V. |

2006 | Gründung der privaten Kinder- und Jugendkunstschule „Kunst und Kultur Garage“, seit 2013 als Verein „Kunst und Kultur Bastei e.V.“ und Erweiterung von Bildender Kunst auf die Bereiche Stelzenperformance und Theater, Modedesign und –schneiderei, Musik. Bis heute künstlerische Leitung und Durchführung zahlreicher Kunstprojekte mit Kindern und Jugendlichen. #stromlos #streetartig #farblos #pop-up art piano #galaktisch

2001 | Aufnahme im Berufsverband Bildender Künstler - BBK Obb. Nord und Ingolstadt
1997 - 99 | Ausstellungsbeteiligungen im Gläsernen Elefanten Maximilianpark Hamm | „Bayerische Kunst unserer Tage“ in Bratislava, Slowakische Nationalgalerie | Gruppenausstellung in der MVA Ingolstadt „Ingolstadt liegt an der Donau, Bratislava auch“ mit Publikumspreis | Einzelausstellung „HolzArt“ Galerie im Bürgerhaus Ingolstadt | Freie Mitarbeit in der Künstlergruppe „Il Conventino“ Florenz
1996 | Abschluss der staatlichen Berufsfachschule für Holzbildhauerei in München | 1.Preis der Dannerschen Kunstgewerbestiftung
1995 bis heute | Mitarbeiterin Organisationteam der Ingolstädter Jazztage
1990 | Staatliche Fachoberschule Augsburg, Ausbildungsrichtung Gestaltung
1970 | geboren in Ingolstadt

 

 

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Bilder ©K10 | Petra Kleine

Freitag, 21 September 2018 12:41

Kulturpreis für Walter Haber

walter haber 348Ingolstadt | Der Kulturpreis der Stadt Ingolstadt geht in diesem Jahr an Walter Haber. Damit würdigt die Stadt die besonderen kulturellen Verdienste einer Persönlichkeit und eines unermüdlichen Kämpfers für die Musik und Kultur, der aus dem Ingolstädter Kulturleben nicht wegzudenken ist. Übergeben wird der Kulturpreis an Walter Haber am Donnerstag, 22. November, um 18 Uhr im Historischen Sitzungssaal des Alten Rathauses durch Oberbürgermeister Christian Lösel.

Seit über vierzig Jahren engagiert sich Walter Haber im Ingolstädter Kulturleben und hat dabei wichtige Akzente gesetzt. Er hat über 4.000 Gastspiele organisiert mit schätzungsweise 500.000 Besuchern. Dabei betreute er bekannte Künstler aus der ganzen Welt, wie z.B. Pat Metheny, Jan Garbarek, Georg Danzer, Rio Reiser, Gerhard Polt, Dieter Hildebrandt, Roger Willemsen, Pippo Pollina, Helge Schneider und viele mehr.

Der langjährige Betreiber der Kleinkunstbühne Neue Welt ist seit 1970 als Konzertveranstalter aktiv und war bereits während seiner Studienzeit für die Förderband Musikinitiative e.V. tätig. Nach und nach kamen dank seines Engagements immer bedeutende Musiker nach Ingolstadt, angefangen bei Gitarrenstar Werner Lämmerhirt bis zu Konstantin Wecker. 1983 übernahm er die Kleinkunstbühne Neue Welt, engagierte wöchentlich neue Künstler für die Bühne und entwickelte Konzertreihen wie das Ingolstädter Bluesfest „BLUES AND MORE“, das in Insiderkreisen, dank der besonders innovativen Programmgestaltung, hohe Anerkennung genießt.

Die Ingolstädter Kabaretttage sind zu einem der bedeutendsten Festivals für das Genre geworden. Es ist einzigartig im Süddeutschen Raum, dass mit dem Programmpunkt „Ösi-Special“ Kabarettisten aus dem Nachbarland in den Mittelpunkt gerückt werden und bekannte Namen wie Josef Hader, Willy Restarits oder Thomas Stipsits so ihren Weg nach Ingolstadt gefunden haben.

1985 inszenierte der gebürtige Ingolstadter und heute in Reichertshofen lebende 67-jährige Walter Haber zusammen mit Peter Volkwein die ersten Ingolstädter Jazztage. Bei deren Neuanfang 1996 war er ebenfalls maßgeblich beteiligt und ist seitdem als Berater und Betreuer im Veranstaltungsbereich tätig.

Von Anfang an begleitete Walter Haber auch andere Festivals und half inhaltlich als auch organisatorisch bei deren Durchführung, so zum Beispiel bei den Künstlerinnentagen „Der Oktober ist eine Frau“ oder als Initiator der „Ingolstädter Musikszene“, eine Reihe, die jungen Musikern jahrelang eine Plattform bot.

walter haber stufen

Die von ihm geschaffenen Veranstaltungsreihen in der Neuen Welt sind legendär, „America – the beautiful“ eine Reihe, die ab 1994 US-Bands präsentierte als es den Genrebegriff Americana noch gar nicht gab – prominentester Musiker der Reihe war Townes van Zandt, der sein letztes Deutschlandkonzert nur wenige Wochen vor seinem Tod in der Neuen Welt spielte. Es gab die erfolgreiche Reihe „Highlights-Große Namen in kleinem Rahmen“ (eine Vorwegnahme der Weltmusikbewegung), die „Frauenkopfbälle“, die „Acoustic Guitar Nights“, „Aufgspuit wird – Volksmusik neu aufgemischt“...
Nie einem Trend hinterherlaufend, sondern meist als Trendsetter war Haber in der Szene bekannt und hatte das Know-how und das Netzwerk, um Agenten, Künstler und Bands für einen Auftritt in Ingolstadt zu begeistern.

Das Bayerische Fernsehen würdigte den unermüdlichen Impulsgeber mit einem 45-Minuten Porträt im Jahr 2001 unter dem Titel „Kulturmacher“. Aufzeichnungen etlicher Konzerte des BR in der Neuen Welt sowie die Verleihung des Eichstätter Kulturpreises 2010 für die Verdienste um das dortige Kulturleben, würdigten den bedingungslosen Einsatz von Walter Haber.

Die Stadt Ingolstadt verleiht in abwechselndem Rhythmus den mit 6.000 Euro dotierten Kulturpreis. Mit dieser Auszeichnung werden Personen geehrt, die in besonderer Weise das Kulturleben der Stadt bereichert haben. Walter Haber hat diesen Preis bereits 1997 stellvertretend als Sprecher für die Förderband Musikinitiative e.V. erhalten. Es folgte 2002 die Audi AG, 2004 Hubert Klotzeck für den Kunstverein e.V., 2006 wurde der Preis zweimal verliehen, an Dr. Siegfried Hofmann und Dr. Theodor Straub. Zuletzt erhielt Eva-Maria Atzerodt 2016 diese Auszeichnung.
Der Preis wird in diesem Jahr zum neunten Mal verliehen.

 

Fotos: Claus Woelke | Pressemitteilung Stadt Ingolstadt

logosIngolstadt | Regensburg | Bad Berneck | Gemeinsames Positionspapier bayerischer Akteurs-Netzwerke der Kultur- und Kreativwirtschaft zur Förderung der Branche in der kommenden Legislaturperiode (2018-2023) des Freistaates Bayern |


Ausgangslage | Kultur- und Kreativwirtschaft in Bayern

Die Kultur- und Kreativwirtschaft zählt zu einem stark wachsenden und dynamischen Wirtschaftsbereich in Deutschland. Gemäß dem Monitoring zu ausgewählten wirtschaftlichen Eckdaten der Kultur- und Kreativwirtschaft 2012 der Bundesregierung hat die Branche im Jahr 2012 ca. 143 Milliarden Euro umgesetzt und erreicht damit ähnliche Größenordnungen wie die Branchen Automobil, Maschinenbau, Energie und Chemie. Jedes 13. Unternehmen gehört in Bayern zur Kultur- und Kreativwirtschaft. Diese rund 40.000
Unternehmen erzielten einen Umsatz von über 30 Mrd. Euro. Damit wird mehr als jeder fünfte Euro des Umsatzes der deutschen Kultur- und Kreativwirtschaft in Bayern erwirtschaftet – und jedes fünfte deutsche Unternehmen diese Art ist in Bayern ansässig.

Die Kultur- und Kreativwirtschaft ist auch für den bayerischen Arbeitsmarkt von großer Bedeutung. Mit über 200.000 Erwerbstätigen liegt sie nur knapp hinter den Leitbranchen Automobilindustrie und Maschinenbau. In Oberbayern mit der Landeshauptstadt München arbeitet sogar jeder dritte sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in dieser Branche. Abgesehen von dieser “natürlichen” Konzentration in der Metropolregion ist die Kultur- und Kreativwirtschaft in allen bayerischen Regionen verteilt. Die Entwicklung geht weiter nach oben; die Branche entwickelt sich sehr dynamisch – und in Bayern noch schneller und stärker als in anderen Bundesländern. Leider gibt es dazu keinen aktuellen Bericht der Landesregierung mit konkreten Zahlen, was die Branche sehr bedauert. Typisch für die  Struktur der Kultur- und Kreativwirtschaft ist die hohe Anzahl an Kleinstunternehmen und Freiberuflern. Diese Struktur führt zu Problemen etwa bei dem Zugang zu Finanzierung, der Erschließung überregionaler Märkte oder auch bei der Vernetzung mit Unternehmen klassischer Wirtschaftsbranchen. Zur Kultur- und Kreativwirtschaft gehören die elf Teilmärkte: Architektur, Buchmarkt, Designwirtschaft, Filmwirtschaft, Kunstmarkt, Darstellende Künste, Musikwirtschaft, Pressemarkt, Rundfunkwirtschaft, Software-/Games-Industrie, Werbemarkt sowie ‚Sonstige’, ein Sammelbegriff für Innovationsbetriebe, die sich nicht einem spezifischen Teilmarkt zuordnen lassen.

Die drei Branchen-Akteurs-Netzwerke auf Landesebene

Die bayerischen Akteurs-Netzwerke Forum Kreativwirtschaft Regensburg e.V., das Kreativunternehmer-Netzwerk Fichtelgebirge KÜKO e.V. und das freie Akteurs-Netzwerk Ingolstadt haben es sich zur Aufgabe gemacht, als Multiplikator für eine aufstrebende Bayerische Kultur- und Kreativwirtschaft einzutreten. Dabei spielt die Vernetzung der Akteure untereinander und die Vernetzung zu den anderen Wirtschaftszweigen eine herausragende Rolle. Leistung, Angebot und Wert der Branche können so einer breiten Öffentlichkeit sichtbar gemacht werden. Seit Juli 2018 arbeiten die drei Akteurs-Netzwerke auf der Grundlage eines Kooperationsvertrages noch enger auf Landesebene zusammen und stehen kurz vor der Gründung eines Landesverbands Kreativwirtschaft.

Forderungen an die Landesregierung des Freistaates Bayern

1. HANDLUNGSSTRATEGIE
Es muss eine Handlungsstrategie zur Unterstützung der Kultur- und Kreativwirtschaft für die kommende Legislaturperiode ausgearbeitet werden. Hierfür ist es sinnvoll, eine kontinuierliche Zusammenarbeit mit den drei bayerischen Akteurs-Netzwerken – und weiteren, wenn sie gegründet werden – anzusetzen.

2. EIN EIGENES REFERAT IM WIRTSCHAFTSMINISTERIUM
Zur Stärkung des Wirtschaftsstandortes Bayern ist es zwingend notwendig, wieder eine zentrale Anlaufstelle für die Kultur- und Kreativwirtschaft Wirtschaftsministerium des Freistaates zu schaffen – so wie bereits gehabt. Das gab es bereits mit einer Leiterin des Referats für Kultur- und Kreativwirtschaft, Design; ihre Stelle wurde jedoch nicht nachbesetzt. Dabei muss vor allem Wert darauf gelegt werden, dass diese zentrale Anlaufstelle die Belange der Branche selbst kennt und aus dieser heraus niederschwellig und in der Fläche agiert. Nur so kann eine nachhaltige und zielgerichtete Arbeit der Anlaufstelle gesichert werden, die in der bayerischen Fläche Kontaktstellen realisiert, auch so Verfügbarkeiten und Angebote flächendeckend möglich macht und dadurch auch vor Ort standortfördernd wirken kann. Ziel sollte hier die sinnvolle Vernetzung der bestehenden Branchenverbände mit den Akteurs-Netzwerken sein. Als Wissensträger und Ansprechpartner stehen hier die bereits bestehenden Akteurs-Netzwerke bereit; mit entsprechenden Landesmitteln wären sie auch in der Lage, Regionen ohne Ansprechpartner entsprechend zu entwickeln und zu begleiten.

3. GEZIELTE FÖRDERUNG
Die Kultur- und Kreativwirtschaft ist eine junge Industrie voller Innovationskraft und stellt klassischen Industrieunternehmen und Produzenten wertvolle Arbeitsgrundlagen insbesondere auf dem Gebiet der Wissensgenerierung, -prozessierung und -kommerzialisierung zur Verfügung. Die Diversität der Branche ist dabei ein großer Vorteil. Eine gezielte Förderung der Branche ist deshalb für den Wirtschaftsstandort Bayern von großer Bedeutung. Im Rahmen der gegenwärtigen Förderstrukturen wird eine entsprechende Unterstützung der Gesamtwirtschaft jedoch nur unzureichend bedient. Daher fordern wir geeignete Förderinstrumente, die auf die Spezifika der Kultur- und Kreativwirtschaft abgestimmt sind:
• Bereitstellung ausreichender finanzieller Mittel zur Standortförderung der Kultur- und Kreativwirtschaft in Bayern
• Zugang zu Fördermitteln für Projektentwicklungsprozesse im ländlichen Raum, um lokale Zentren in der Fläche zu ermöglichen
• Erweiterung des bestehenden technologiekonzentrierten Innovationsbegriffs für Förderrichtlinien um die besonderen Dienstleistungen der Kultur- und Kreativwirtschaft
• Ausbau von entsprechenden Bildungseinrichtungen/Hochschulen und Bachelor- bzw. Masterstudiengange in der Fläche, um so die jeweilige Standortattraktivität zu erhöhen und späteren Wegzug von Fachkräften zu minimieren
• Finanzielle Beteiligung an Kreativzentren in der Fläche, die gezielt klassische Wirtschaftsbranchen mit Unternehmen der Kreativwirtschaft „unter einem Dach“ vereinen, um zukunftsfähige Synergien und Innovation (und damit Arbeitsplätze!) zu ermöglichen
• Regelmäßige und repräsentative Datenerhebungen zur Entwicklung der Kultur- und Kreativwirtschaft, um die Potenziale herauszuarbeiten und nachhaltig verbessern zu können – unter Einbeziehung von Kleinstunternehmen unter der Umsatzgrenze von 17.500 Euro
• Förderung von bezahlbarem Raum (Büros, Coworking Spaces, Ateliers,Zwischennutzungsmodelle und klassische Immobilien) für Akteure der Branche als Grundvoraussetzung für wirtschaftlichen Erfolg in Bayern
• Unterstützung der unternehmerischen und wirtschaftlichen Professionalisierung der Branche (unter Berücksichtigung der spezifischen Gegebenheiten der 12 Teilmärkte) durch finanzielle Mittel oder Förderprogramme, um von meist wenig zielführenden IHKProgrammen weg und hin zur Wirtschaftsförderung zu kommen; sinnvoll ist hier die organisatorische Einbeziehung der bestehenden Akteurs-Netzwerke
• Übernahme einer sichtbaren Impulsgeber-Rolle der Landesregierung in regionale Verwaltungen und kommunale Anlaufstellen

Regensburg, Ingolstadt und Bad Berneck, 20. Juli 2018

ANSPRECHPARTNER

Forum Kultur- und Kreativwirtschaft Regensburg e.V.
Branchenverband der Kultur- und Kreativwirtschaft Regensburg und Umgebung
Carola Kupfer, 1. Vorsitzende
Wahlenstr. 17
93047 Regensburg
T 0171-3411682
W https://www.forum-kreativwirtschaft.de/de/
E Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!


Freies Akteurs-Netzwerk Ingolstadt
Branchenverband der Kultur- und Kreativwirtschaft Ingolstadt und Umgebung
Sigrid Diewald
Harderstr. 22
85049 Ingolstadt
T 0841 14281-10 und 0151 41811423
W www.schnellervorlauf.de www.studiofamos.de
E Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!


Künstlerkolonie Fichtelgebirge KÜKO e.V.
Kreativunternehmer-Netzwerk im Fichtelgebirge
Sabine Gollner, 1. Vorsitzende
Maintalstr. 123
Bayerische Kultur- und Kreativwirtschaft – Positionspapier zur Förderung der Branche in der
Legislaturperiode 2018 – 2023
Seite 4 von 4
95460 Bad Berneck
T 09273-9668670 und 01578-2239265
W www.kueko-fichtelgebirge.de
E Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

KUK 348 netzwerke unterzeichnungIngolstadt | Regensburg | Bad Berneck | „Dass Kreativwirtschaft irgendwie cool ist und einem Standort oder einer Region einen zusätzlichen Glanz verleiht, ist mittlerweile angekommen, “ fasst Sigrid Diewald die Initiative bayerischer Kreativ-Netzwerke zusammen, die jetzt in Ingolstadt ein gemeinsames Positionspapier unterzeichnet haben. Woran es fehle in Bayern fehle, so Diewald, sei konkrete, sinnvolle und nachhaltige Unterstützung.

Gemeinsam fordern die drei bayerischen Netzwerke - das freie Akteurs-Netzwerk aus Ingolstadt, das Kreativunternehmer-Netzwerk KÜKO e.V. aus Oberfranken und das Forum Kreativwirtschaft e.V. aus Regensburg - daher bessere Förderung durch die Staatsregierung. Sie werden künftig verstärkt gemeinsam für die bayerische Kultur- und Kreatviwirtschaft eintreten und im aktuellen Landtagswahlkampf auch Wahlprüfsteine aufstellen.

Hintergrund für die landesweite Kooperation, die am 3. Juli in Rahmen des monatlichen Netzwerktreffens der Kreativwirtschaft in Regensburg bekannt gegeben und in Ingolstadt offiziell unterzeichnet wurde, ist die beunruhigende Veränderung in der Landespolitik. Einen herben Schlag hatte die Staatsregierung der Kultur- und Kreativwirtschaft nach der Kabinettsumbildung der bayerischen Kreativwirtschaft versetzt: Statt wie bislang die Aktivitäten gebündelt im Wirtschaftsministerium anzusiedeln, sind die Zuständigkeiten seit März völlig zerfasert. Wichtige Branchensegmente kommen gar nicht mehr vor. Ein Zusammenschluss der bayerischen Akteurs-Netzwerke fordert nun, dass die Staatsregierung sich zu ihrer Verantwortung bekennt. „Vor dem Hintergrund, dass der Beitrag der Kreativwirtschaft zum Bruttoinlandsprodukt noch vor der chemischen Industrie und der Energieversorgung liegt, ist diese stiefmütterliche Behandlung völlig unverständlich“, ärgert sich Carola Kupfer (Foto 4. v. li.), Sprecherin des neuen Zusammenschlusses, aus dem freien Akteurs-Netzwerk Ingolstadt, dem Kreativunternehmer-Netzwerk KÜKO e.V. aus Oberfranken und dem Forum Kreativwirtschaft e.V. aus Regensburg . Bei dem Treffen in Ingolstadt wurde daher nicht nur eine landesweite Kooperation vereinbart, die – wie in anderen bayerischen Wirtschaftszweigen längst Standard – stärkere Vernetzungen mit erheblichem Mehrwert für alle beteiligten Kreativschaffenden bringen soll, sondern auch ein entsprechendes Positionspapier verabschiedet. Vorbild ist dabei das sächsische Modell, das aus der Branche für die Branche aktiv ist und dabei Wirtschaftsförderung auf Landesebene erfolgreich gestaltet.

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Zur Erinnerung: Im Jahr 2009 gab die Bundesregierung über das Büro für Kulturwirtschaftsforschung erstmals eine Studie zur Kultur- und Kreativwirtschaft in Auftrag, die erstaunliche Ergebnisse zutage brachte. So stellte sich beispielsweise heraus, dass der Beitrag der Branche zum Bruttoinlandsprodukt in ihrer Gesamtheit mit den Segmenten Architektur, Buch, Film, Design, Werbung, Musik, Computer & Games, Darstellende Kunst, Bildende Kunst, Rundfunk und Fernsehen, Presse und Sonstiges noch vor dem der chemischen Industrie und der Energieversorger lag. Folgerichtig entschied sich das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie dazu, fortan jährlich einen Monitoring-Bericht über den Status der Branche im gesamtwirtschaftlichen Kontext zu veröffentlichen und sie gezielt zu fördern. Das Ergebnis war eine Art Weckruf in Deutschland: Überall taten sich Akteure der Kultur- und Kreativwirtschaft zusammen, bildeten Netzwerke, gründeten Vereine und – im Idealfall – prosperierende Kreativzentren. Und dort, wo die Branche sichtbar wurde, blieb der Erfolg nicht aus. Neue Arbeitsplätze, Firmengründungen und spannende Kooperationen mit traditionellen Wirtschaftsunternehmen gehören ebenso dazu, wie wichtige Impulse für Standortattraktivität und Bildungslandschaften. Kurz: Mit der Emanzipation der Kreativwirtschaft ist es gelungen, einen wichtigen deutschen Innovationsmotor sichtbar zu machen und seine Potenziale bewusst zu entwickeln.

Gemeinsame Identität der Kreativ-Branchen ist entscheidend

Umso erstaunlicher ist es, dass trotz der klaren Richtung der Bundesregierung ausgerechnet Bayern, dessen Landeshauptstadt sich immerhin ein erfolgreiches Kompetenzteam Kultur- und Kreativwirtschaft leistet, seit kurzem eigene Wege geht, die von den Akteuren zwangsläufig mit Besorgnis gesehen werden. Knackpunkt ist die organisatorische und politische Zersplitterung einer Branche, deren so wichtiges Branchenverständnis gerade erst entstanden ist. Während sich regional Netzwerke, Vereine und Cluster bilden und überregional Kooperationen eingehen, während deutschlandweit mit Unterstützung des Bundes sogar ein Bundesverband der Kultur- und Kreativwirtschaft seine Arbeit aufgenommen hat, steuert die Bayerische Landesregierung heftig dagegen. „Für die vielen bayerischen Akteurs-Netzwerke, die in den Kommunen teilweise gut mit den Ämtern für Wirtschaftsförderung zusammenarbeiten, ist das ein großer Rückschritt“, fasst Sigrid Diewald vom Ingolstädter Akteurs-Netzwerk das Unverständnis der Betroffenen zusammen. „Die Identität als Branche ist ein entscheidender Faktor für Lobbyarbeit und wirtschaftlichen Erfolg.“

Konkret zeigt sich der bayerische Gesinnungswandel in einer neuen Zuordnung der Zuständigkeiten: War die Kultur- und Kreativbranche bislang sinnvollerweise unter dem Dach des Wirtschaftsministeriums mit einem eigenen „Referat für Kultur- und Kreativwirtschaft“ angesiedelt, wurde sie nun – ohne Rücksprache mit den Akteuren – auf verschiedene Referate aufgeteilt. So unterstehen die Segmente Film, Software & Games und Rundfunk plötzlich der Abteilung P für Digitales und Medien direkt in der Staatskanzlei. Im Wirtschaftsministerium hat man die Kompetenzen dezentralisiert: Während sich das Referat Innovation in Abteilung IV – Innovation, Forschung, Technik, Digitales – nun um Design, Architektur und Werbemarkt kümmern soll, hat das Referat 45 – Luft, Raumfahrt und Mobilität – die Aufsicht über das Bayerische Zentrum für Kultur- und Kreativwirtschaft, kurz bayern kreativ, übernommen. Alle anderen Segmente der Kreativwirtschaft, also Buchmarkt, Musikwirtschaft, Darstellende Kunst, Bildende Kunst, Pressemarkt und Sonstiges, tauchen im Organisationsplan der Staatsregierung gar nicht mehr auf; das zuvor zuständige Referat existiert nicht mehr.

Zersplitterung der Kompetenzen in Bayern

„Es stellt sich für uns natürlich die Frage, warum die bayerische Landesregierung diesen Weg eingeschlagen hat“, wundert sich Carola Kupfer, die auch dem Regensburger Verein Forum Kreativwirtschaft vorsteht. „Sinn ergibt das unserer Meinung nach jedenfalls nicht, im Gegenteil: Dieses gezielte Ausbremsen einzelner Segmente der Kreativwirtschaft dürfte sich negativ auf das Selbstverständnis der gesamten Branche, auf deren Organisationsstrukturen und damit Wirtschaftsleistung auswirken – regional und landesweit. Denn gerade durch das Zusammenwirken der zuvor sehr heterogen arbeitenden Teilsegmente sind innovative und förderungswürdige Strukturen entstanden, die so mittelfristig wieder ausgehebelt werden. Für uns ist diese bayerische Alleingang daher eine völlig unverständliche Entwicklung.“

Dass sich die bayerische Landesregierung seit jeher schwer mit den Bedürfnissen der Kultur- und Kreativwirtschaft tut, beweisen bislang enttäuschende Initiativen wie bayern kreativ. Der positive Impuls, der ursprünglich durch die „Anlaufstelle für alle Künstler, Kultur- und Kreativschaffenden in Bayern“ gegeben werden sollte, versandet derzeit in der Fläche. Sichtbar und messbar wird das an der Tatsache, dass die top-down initiierten bayern kreativ-Angebote bereits erfolgreich agierende Akteure der Kreativwirtschaft nicht interessieren. Lediglich Aktionstage und Erstberatungen für Studienabgänger oder (Quer-)Einsteiger in die Branche werden wahrgenommen – eine Aufgabe, die nur einen Bruchteil des eigentlichen Anspruchs abdeckt und häufig im zweiten Schritt ratlose Akteure zurücklässt. Die bereits bestehenden Akteurs-Netzwerke und Kreativunternehmen werden von bayern kreativ nicht eingebunden, ihre konkreten (wirtschaftlichen) Ziele nicht berücksichtigt. Sinnvolle und zielgerichtete Wirtschaftsförderung oder Nachhaltigkeit in der Fläche sieht definitiv anders aus.

Dennoch lässt sich der bayerische Staat bayern kreativ eine ordentliche Fördersumme kosten. Wofür der Etat von einer Million Euro im Jahr bislang ausgegeben wurde, ist nicht nachvollziehbar – bei den Akteuren ist bislang wenig angekommen. Wünschenswert wäre in Zukunft ein Weg, der die bestehenden Akteurs-Netzwerke als Wissensträger aktiver einbezieht, das Angebot am tatsächlichen Bedarf orientiert und insgesamt transparenter im Umgang mit Fördergeldern agiert.

"Ein verbindlicher Ansprechpartner und Budget für Projekte"

„Was wir brauchen“, erläutert Sabine Gollner, Vorsitzende von KüKo e.V., „ist ein verbindlicher Ansprechpartner in der Landesregierung, der die Besonderheiten und Stärken dieser sehr heterogenen Branche begreift. Er muss die Chancen erkennen, die in kreativen Ideen als Motor für innovative Entwicklungen stecken. Aktionismus nützt hier nicht; es geht um konkrete Projekte, die mittel- und langfristig Sicherheit und Perspektive bieten. Und für diese Projekte brauchen wir Budget!“

In Regensburg und Ingolstadt war man sich jedenfalls einig, bei der Landesregierung nachzuhaken. Die bevorstehenden Landtagswahlen im Herbst wollen die Vertreter der unterschiedlichen Akteurs-Netzwerke dazu nutzen, um mit den Kandidaten zu diesem Thema ins Gespräch zu kommen. Schließlich geht es letztendlich um Arbeitsplätze auch in strukturschwächeren Gebieten, um zukunftsfähige Kreativunternehmungen, die Strahlkraft besitzen und ganze Regionen attraktiver machen – und um Standortförderung durch interessante Bildungseinrichtungen und berufliche Perspektiven. „Nun geht es darum, konkrete, sinnvolle und nachhaltige Förderung und Unterstützung zu bieten – und hier ist die Landesregierung gefragt.“ unterstreicht Sigrid Diewald.

Das POSITIONSPAPIER kann man hier lesen oder einfach den pdf-Anhang downloaden.

Ansprechpartner für weitere Informationen/Rückfragen:

Freies Akteursnetzwerk Ingolstadt
Sigrid Diewald
Harderstr. 22, 85049 Ingolstadt

Forum Kreativwirtschaft e.V. Regensburg
Carola Kupfer, 1. Vorsitzende
Wahlenstr. 17, 93047 Regensburg
Ansprechpartner Presse
Christian Omonsky
Tel. 0941 92008-21, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Kreativunternehmer-Netzwerk KÜKO e.V.
Sabine Gollner, 1. Vorsitzende
Maintalstr. 123, 95460 Bad Berneck

klein·laut GmbH


Bildnachweise: Fotos Iva Nikolova

Bild 1: v.l.n.r. - Carola Kupfer (Forum Kreativwirtschaft e.V. Regensburg), Sigrid Diewald (Freies Akteursnetzwerk Ingolstadt) und Sabine Gollner (Kreativunternehmer-Netzwerk KÜKO e.V.) unterzeichnen den Kooperationsvertrag als ersten Schritt auf dem Weg zum Landesverband Kreativwirtschaft in Bayern.

Bild 2: Die Teilnehmer des Kooperationstreffens in Ingolstadt: Alexander Häusler, (Freies Akteurs-Netzwerk Ingolstadt), Sabine Gollner und Stadträtin Sandra Schiffl (Kreativunternehmer-Netzwerk KÜKO e.V.),Carola Kupfer (Forum Kreativwirtschaft e.V. Regensburg), Werner Kapfer (Freies Akteurs-Netzwerk Ingolstadt), Florian Rottke (klein·laut GmbH Regensburg) und Gastgeberin Sigrid Diewald (schnellervorlauf gmbh, Freies Akteursnetzwerk Ingolstadt).

 

markus jordan 348 2Ingolstadt | Der Künstler Markus Jordan stellt aus. Er zeigt dieses Mal nicht spektakuläre Skulpturen aus Eis und Feuer oder schafft fluoreszierende Landschaften aus Licht, Tönen und Magie. Jordans Kunstinstallation ist ein Labor. DAS LABOR. Keines von heute, das wäre weiß und clean, würde wohlweislich verbergen, welche Kräfte dort wirken. Im Labor der „retrofuturistischen Visionen“ des Künstlers und Konstrukteurs Markus Jordan brodelt und zischt es, es dröhnt, pfeift und blitzt. Es ist ein Labor, wie in Filmen und Büchern der Vergangenheit, in denen es um - mehr oder weniger fiktive - Zukunftsvisionen geht: Fritz Langs Metropolis, Mary Shelleys Frankenstein, H.G. Wells, Jules Verne. Jordans Labor ist sinnlich, es macht Spaß auf die Knöpfe und Schalter zu drücken, durch eigene Bewegung oder die Tasten des „Pneumoniums“ erst Töne, dann Licht zu erzeugen, sich von Effekten überraschen zu lassen, dem Witz und Genie des Künstlers zu folgen. Die Ausstellung ist ästhetisch anziehend, sie ist durchdacht inszeniert, spielt mit Licht, Farbe, Strukturen. So mancher erkannte bei der Eröffnung die eigene Leidenschaft für das Sammeln alter Dinge wieder, diskutierte das Ordnungsprinzip der Sammlung oder bewunderte die schönen Funde. Andere rufen in Richtung Jordan, ob er sein Atelier ausgeräumt habe, das es in Ingolstadt zu einiger Berühmtheit gebracht hat. Denn tatsächlich sammelt und ordnet der Künstler in seinen Atelierräumen in der Flankenbatterie seit gut 15 Jahren Objekte und Bauteile, geht auf Schrottplätze und Recyclinghöfen, archiviert Ausrangiertes, Skurriles und Seltenes. Er experimentiert mit Eigenschaften und Funktionen, erkundet mit alchimistischer Neugier das Wesen und die Möglichkeiten der Dinge, die Gesetzmäßigkeiten von Licht und Energien.

Einführende Gedanken zu Jordans Ausstellung kamen von Günter Beltzig. Der Designer arbeitete in den 1960er Jahren auch mit Luigi Colani, der wiederum als einer der bedeutenden Zukunftsdesigner gilt und im Zusammenhang mit (Retro-)Futurismus im Kunst und Design eine feste Größe ist. Beltzig betonte in seiner Einführung den Autodidakten Markus Jordan, der als Künstler eben nicht „Meisterschüler“, also Schüler eines Meisters gewesen, um erst einmal dessen Ideen zu verstehen und recyceln bevor er eigene Ideen umsetzen würde. Jordan folge eigenen Ideen und recycle dabei Objekte und Materialien. Er schöpfe aus ihnen etwas Neues, noch nicht vorgedachtes.

Objéts trouve | Von der Ordnung der Dinge

Die Kunstausstellung DAS LABOR ist die Inszenierung dieser „objets trouvé“. Es ist, als würde der Frankenstein der Dinge – Jordan über Jordan - aus seinem Spieltrieb schöpfen, um unseren Spieltrieb anzusprechen und um uns so zu erreichen. Denn das Labor hat auch eine unheimliche Botschaft: es geht um Ordnung, der Dinge und der Gesellschaft, und um diejenigen, die darin eingreifen, sie neu denken und verändern. Es geht um den Gestaltungsdrang des Menschen, Entgrenzung und Fortschrittsgläubigkeit. In den literarischen Zukunftsvisionen und Filmen, auf die Jordan vielfach anspielt, sind neben den spannenden Zeitmaschinen und künstlichen Menschen daher oft auch autoritäre Gesellschaften, Herrschaft und Freiheit angesprochen. Und in der Auseinandersetzung mit Jordans Objektkunst schwingt mit, dass es einen bedeutenden Unterschied von Wissenschaft und Kunst gibt, und dass es wieder die Aufgabe von Kunst sein könnte, Chaos in die Ordnung zu bringen.

Im retrofuturistischen Labor wird die Montage von Teilen aus dem Metallbau zu einer Skulptur die vielleicht zeigt, was die Welt im Innersten zusammenhält. Doch was sehen wir? Den harmlosen mikroskopischen Blick auf die Struktur von Schafwolle oder doch die totale genetische Veränderung der DNS, die Auflösung der Doppelhelix? Geht der menschliche Zugriff so weit, selbst das Unmögliche zu schaffen und das sprichwörtliche Pferd kotzen zu sehen, wie ein anderes Objekt nahelegt. Oder will Jordan nur (dass wir) spielen? Über allem und als Höchstes thront der leuchtende Stuhl des „Maschinenmenschen“ in Anlehnung an Fritz Langs Metropolis – die Erschaffung des künstlichen Menschen. Jordan zieht uns mit seiner Kunstinstallation in eine andere Zeit, lässt die romantisierende Ästhetik des Steampunk wirken und betont so die Aktualität seiner retrofuturistischen Zukunftsforschung, denn so Manches wurde ja längst wahr: Gentechnik, Klonen, künstliche Intelligenz, Robotik und Maschinenmenschen. Fragen, die seit Jahrhunderten brennend gestellt werden und die uns heute mit der digitalen Revolution erneut umtreiben: Wer schafft, wer beherrscht, wer ordnet die globalisierte, digitale Zukunft? Dazu Markus Jordans retrofuturistische Visionen.


markus jordan 348 3Markus Jordan, 43, arbeitet seit 1996 künstlerisch und setzte sich vor allem mit den Aspekten des Lichts auseinander. Jordan ist gelernter Schilder- und Lichtreklamenhersteller, seit 2002 als freischaffender Künstler tätig und seit 2013 auch am Stadttheater engagiert.

Überregional bekannt sind seine Installationen und Performances, die Skulpturen aus Eis und Feuer, die Licht- und Videokunstbeiträge für Projekte und Festivals - Lichtstromfestival 2014, „occupied“ in der Stargader Straße, Kunstvollzug 2018. Illuminationen wie die Fahrt ins Blaue mit Beleuchtung des Rathauses, der „Lichthauch“ am Kavalier Dalwigk zum Futurologischen Kongress 2018.

Markus Jordan ist Mitglied im Berufsverband Bildender Künstler, Mitglied der Glow Connection, Erfinder des Pneumoniums und Mitgründer der Kunst und Kultur Werkstatt KAP94.

Markus Jordan
"Das Labor. Retrofuturistische Visionen"
Bis 23. September, Städtische Galerie des Stadttheaters Ingolstadt
Donnerstag bis Sonntag von 12 bis 18 Uhr.

 

Klangperformance von Jürgen Schulze | Anlässlich der Ausstellungseröffnung am 19. September.
Drei Metallplatten, ein Mikrophon und der Rückkopplungseffekt. Mit seinem Klangbeitrag zur Eröffnung der Ausstellung DAS LABOR zeigt Jürgen Schulze weitere Aspekte experimenteller Kunst. Schulze arbeitet freischaffend als Künstler, Performer, Illustrator sowie Designer für Upcycling-Produkte und Inhaber des Labels QR-BOMB®. Schulze hat Architektur studiert, ist Mitglied des Berufsverbandes Bildender Künstler - BBK Ingolstadt, konzipiert und führt kulturelle Bildungsprojekte durch (u.a. bei Künstler an die Schulen e.V.) und ist Mitbegründer der Theaterformation „zwischenraum“.

Der Beitrag erscheint gedruckt bei in CITICON - Das Trendmagazin - Sept. 2018 | Die Ordnung der Dinge. Markus Jordan - Retrofuturistische Visionen.

 

 

Kunstschau2018 Foto Leonore WeissIngolstadt | Neueste Arbeiten seiner Künstler*innen aus dem Großraum Ingolstadt und Oberbayern Nord zeigt mit der Ausstellung "Aktuell" der regionale Berufsverband Bildender Künstlerinnen und Künstler www.bbk-ingolstadt.de. Die Kunstschau, die eine breite Palette künstlerischer Umsetzungen zeigt, ist ein wichtiger Bestandteil im Jahreskalender des BBK Ingolstadt. Nicht nur, dass mit der Galerie in der Harderbastei ein zentraler Standort für die Präsentation der aktuellen Werke zu Verfügung steht, die Besucher können seit vielen Jahren die künstlerische Arbeit der einzelnen Mitglieder des BBK intensiv verfolgen.

Die Ausstellung ist vom 17.6. bis zum 8.7.2018 jeweils von Donnerstag bis Sonntag von 11 – 18 Uhr zu sehen. Zu den Öffnungszeiten wird immer ein teilnehmender Künstler anwesend sein und Sie gerne durch die Ausstellung führen.

www.bbk-ingolstadt.de

Fotos: Leonore Weiss | Unten: Eröffnung am 17. Juni; oben: Aus der Ausstellung.

Kunstschau2018 Foto Leonore Weiss Eroeffnung

 

348 GabrieleTomNeumaierIngolstadt | Jubiläum. Vor 200 Jahren wählte Mary Shelley Ingolstadt als Schauplatz ihres Schauerromans über Frankenstein und seinen künstlich geschaffenen Menschen. Frankensteins Monster ist seither ein Symbol für gewissenlose wissenschaftliche Grenzüberschreitung, für Machbarkeitswahn und die ungebrochene Illusion alles auch kontrollieren zu können. 2018 ist in Ingolstadt auch das Jahr der städtischen Offensive für die Digitalisierung. Die Stadt will Premium werden für künstliche Intelligenz, selbstfahrende Autos und mehr. Da verwundere es doch, so der Künstler Thomas Neumaier, wie verharmlosend die touristischen Events der Stadt an einem längst vergangenen Wissenschaftsbild festhielten. Die Romantisierung Frankensteins habe mit der heutigen, industriell getriebenen digitalen Revolution aus Großforschunglaboren nichts mehr zu tun. Wissenschaftskitsch statt Reflektion? Es sind die Kunst- und Kulturschaffenden der Stadt, die die Fortschrittseuphorien und –ängste zum Thema machen, die der digitalen Zukunft Bilder geben, sie kritisch beleuchten oder satirisch erhellen. So lädt das Stadttheater Mitte Juni zum hochkarätig besetzten, mehrtägigen Infotainment-Spektakel „Futurologischer Kongress“ ein (futurologischer-kongress.de). Die Kunst- und Kulturbastei ging im Mai mit ihrem Street Art-Festival Frankenstein 3D auf den Rathausplatz und war drei Tage lang mit der die Illusionsmalerei international renommierter Künstler zu Digitalisierung und künstlicher Intelligenz ein Publikumsmagnet.

Kleines Frankenstein Depot | Objekte und Fotos zur künstlichen Intelligenz und natürlichen Dummheit
Gabriele&Thomas Neumaier

Das Künstlepaar Gabriele&Thomas Neumaier eröffnete, in Zusammenarbeit mit dem Dt. Medizinhistorischen Museum und dem Kulturreferat, das „Kleine Frankensteindepot mit Objekten und Fotografien zu künstlicher Intelligenz und menschlicher Dummheit.“

348 Ruisinger2Marion Ruisinger, Direktorin des DMM und Gastgeberin für die Ausstellung, ordnete die Dinge ein. Entwicklungen, sich als Mensch zu optimieren und vor allem, seine Reichweite unabhängig vom eigenen Körper zu erhöhen sind vielfältig: Weit und weiter sehen, weit hören und mit Menschen sprechen, die fern am anderen Ende der Welt sind. Dazu gehört, überall hin und von überall auch gesehen zu werden, mit Gesichtserkennung sogar erkannt werden zu können, ganz gleich wo auf der Welt man gerade ist. Sie verwies zudem auf die aktuelle Ausstellung im DMM zur Radiologie in der NS-Zeit (noch bis 9. September). Die Röntgenstrahlung wurde unter den Nationalsozialisten auch im Dienste verbrecherischen Rassenwahns eingesetzt, hat Menschen durchleuchtet, kategorisiert und aussortiert.

„Algorithmen können rassistisch sein.“

Monströsität sei längst nicht mehr die Grenzüberschreitung eines einzelnen Frankenstein, darauf weisen auch Gabriele und Thomas Neumaier hin. Seit den beiden Weltkriegen, sei das Monströse massenhaft geworden, millionenfach und industriell durchgeführt und von einem zuletzt totalitären System präzise bürokratisch geplant. Die Kriege haben zudem eine ganze Industrie für den Ersatz abgerissener Gliedmaßen und menschlicher Ersatzteile hervorgebracht. Vieldeutig das „Kleine Gelächter“, eine große Kiste mit Gebissabdrücken, die einfach nur Prothesen sein könnten. Oder doch auf das heutige Schönheitsdiktat perfekter Zahnreihen anspielen?

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Sind es die erschreckenden Bilder massenhafter Sammlungen von Brillen und Prothesen in den Konzentrationslagern, die sich in unsere Gedanken schieben. Gabriele und Thomas Neumaier spielen mit Assoziationen. Immer wieder wird doppeldeutig auf das Totalitäre in den aktuellen Themen von Vermessen, Erkennen, Erfassen, Kategorisierung oder Aussortieren angespielt. Die heutige Selbstoptimierung gerät ebenfalls in dieses Licht: Bikinibridge, Paperwaist - der Gedankensprung zu den von der Industrie gezeigten Körper-Idealen, die als digitale erzeugte (Vor)Bilder massenhaft Teil unserer Alltags sind, liegt nahe. Optimierung bis hin zur Künstlichkeit. In der Ausstellung ist nie ganz klar, ob es sich um Exponate aus dem Depot des medizinhistorischen Museums handelt oder um Kunstobjekte.

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Die Künstler führen uns von der echten, hilfreichen Prothese wie der „Handorthese für einen Organisten“ zur Brisanz der Leistungssteigerung mit Hilfe von Elektroden auf Hirnkappen oder rosa Tabletten. „Ich fühle mich erst wohl, wenn ich das geworden bin, was ich sein soll. Erschreckend ist die Freiwilligkeit dabei.“, so Thomas Neumaier bei seiner einführenden Wort- und Klang-Performance mit Heinz Grobmeier.

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Der Musiker, im sauberen weißen Kittel der Wissenschaft, spielt auf einer bizarren Klaviatur von gurgelnden Blutgeräuschen, alten Prothesen und Krücken. Er untersucht, wieviel Frankenstein wohl in uns selbst steckt. Was geben wir auf, wenn wir uns optimieren, wenn wir die Industrie, die künstliche Intelligenz mit unseren Daten zu füttern. Am Ende steht die Selbstaufgabe mit der dann totalen Freiheit - von uns selbst.

Erschreckend ist die Freiwilligkeit

Die künstliche Intelligenz mit den Algorithmen beeinflusst uns. Sie sortieren (uns) aus, sind ebenso allumfassend wie intransparent. Künstliche Intelligenz erkennt Abweichungen, das System schlägt dann Alarm. „Algorithmen können rassistisch sein.“ Sie sind nicht objektiv, sie werden gespeist aus menschlicher Subjektivität oder von Interessen. Alles Themen, die uns mehr oder weniger bekannt sind. Das Spiel der Künstler mit den Bildern und Objekten im Frankensteindepot schafft überraschende, oft erschreckende, Momente des Erkennens bekannter und neuer Zusammenhängen. So soll die biometrische Gesichtserkennung Terroristen erkennbar machen und vorbeugen. Ein Präsident Erdogan hat dabei sicher andere Vorstellungen von Terroristen, wie wir. Oder? Und: kann der Mensch die Gesichtserkennung eigentlich auch austricksen.Es gibt ja viele Dinge, die „ein Gesicht“ haben, ein Ceranfeldschaber zum Beispiel. Gabriele Neumaier reizt uns mit ihren Fotografien zur biometrischen Vermessung an, der künstlichen Intelligenz mit der natürlichen Dummheit des (rebellischen) Menschen Grenzen zu zeigen. Das Brett vorm Kopf wäre eine solche Idee und hätte dann auch etwas Gutes. Sind diese Bilder Neumaiers Appelle an unseren Widerstand, wäre es möglich sich zu schützen oder wenigstens nicht freiwillig selbst so vieles preiszugeben für die Selbstoptimierung. Können wir noch selbst entscheiden?

Kleines Frankenstein Depot | Objekte und Fotos zur künstlichen Intelligenz und natürlichen Dummheit |Kunstausstellung von Gabriele&Thomas Neumaier
Bis 7. Oktober 2018, Freskensaal in der Hohen Schule (ehem. Universitätsgebäude), Goldknopfgasse 7, Di. bis So. von 10 bis 13 Uhr und von 14 bis 17 Uhr. Eintritt frei.

Zum Vergrößern der Bilder draufklicken.

Bildhinweis © Petra Kleine | K10.

kunstmesse eroeffnet348Ingolstadt | Raffinierte Lichtmalerei mit Wellen aus Wasser, messerscharfe Video-Installation zum Wesen juristischer Wortgefechte, Fliegen (Lucilia Sericata) die mittels Software zu Konstrukteuren werden. Die digitalen Beiträge, die bei der Kunstmesse 2018 besonders kuratiert wurden, zeigen sich als Erlebnis und echter Zugewinn. Die Kunstmesse soll als große bayerische Produzentenmesse mit mehr als 80 Künstlerinnen und Künstlern eher Kunstmarkt als Ausstellung sein. Die digitalen, multimedialen Beiträge bleiben da etwas außen vor, weil nicht einfach so verkäuflich. Doch sie gehören zu den Highlights dieser Kunstmesse 2018 und bleiben in Erinnerung – meditative Schönheit aus Licht, Wasser und Bewegung, Mulitmedia mit Witz und Raffinesse. Dazu technische Präzision, gut nachvollziehbare Ideen und perfekte Umsetzung. Das alles bringen die digitalen KünstlerInnen Alice Strunkmann Meister, Cendra Polsner (Foto li.), Tatjana Potechin und Elias Naphaus (Foto re.) mit, die für den Sonderbereich "Digitale Kunst" ausgewählt und gefördert wurden. Sie sind in der Reithalle zu sehen und schaffen die besondere Momente, die man selbst erleben sollte. Ein guter Grund die diesjährige, fünfte Kunstmesse im Klenzepark zu besuchen.

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Und hier noch mehr gute Gründe, für die Kunstmesse 2018 - nach einem ersten Rundgang am Eröffnungsabend, meine persönliche Empfehlungen.

Der Maler, Grafiker, Zeichner Bodo Rott. Faszinierende Bilder, die man sehen muss! Ich stelle hier einen Beitrag von Isabella Kreim (Kulturkanal) ein, um ein Eindruck zu geben und für einen Besuch ausdrücklich zu werben. Bodo Rott – Verzerrte Gärten und Nichtkind-Kinder. Der Künstler spricht gerne und sehr informativ über seine Arbeiten. Er ist übrigens gebürtiger Ingolstädter, lebt in Berlin, lehrt "Plastisches Gestalten" an der Uni Cottbus. Exerzierhalle E 19.

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Clemens Hutter. Stahlbildhauer. Seine „Frostsprengungen“ bei der Bearbeitung der schweren Stahlskulpturen beeindrucken. Nicht nur Feuer, auch Eis kann also Stahl formen und dabei sogar eigene Linien und Formen schaffen. Die großen und kleinen Stahlobjekte nicht nur betrachten, sondern sich vom Künstler den Prozess der Frostsprengung erklären lassen. Reithalle R15.

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Anna Schölß. Die Malerei der Akademiekünstlerin begleitet die Kunstmesse und ihre Besucher von Beginn an (und auch umgekehrt). Ihre Bilder haben Intensität, Bewegung, Geschichte. In diesem Jahr gibt sie dem Weiß in seinen vielen Farbschattierungen Raum in ihren Bildern. Exerzierhaus E 29. In der gleichen Koje die filigranen Edelmetallarbeiten von Juliane Schölß.

Ludwig Hauser. Der Künstler, der in Ingolstadt lmit Kunstwerken im öffentlichen Raum sehr präsent ist, überrascht mit einer Serie von Bildhauerarbeiten zu Köpfen und Gesichtern. Aus Stein. In Stein. Zart, spröde, intensiv.  R10. Eher am Rande zeigt Hauser "Urnensteine", Grabsteine für Urnenbestattungen, die wie archaische Markierungen wirken oder wie Kunstobjekte - nach diesen fragen, sie sind nur als Foto am Rande der Koje zu sehen und sehr interessant - als einzelne Objekte, für eine andere Grabkultur.

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Die "Hauser-Koje". Ludwig Hauser und Johannes Hauser haben gemeinsam diesen Raum belegt. Hierfür einen Moment Zeit nehmen und auf sich wirken lassen, was Bildhauer und Fotograf uns zeigen. R 14.

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Der Fotograf Johannes Hauser, gleich gegenüber, R30. Neben seiner erfolgreichen Serie „nach oben“, die spannend bleibt und uns weiterhin neugierig hält, zeigt er neue Arbeiten. Darunter die Fotografie einer Straßenszene in Tokio, die mit ihren Schatten fast formal wird und doch das Interesse an dem Moment weckt, in dem die Menschen gerade unterwegs sind. Ein (mir) neuer Blick des Fotografen.

Verlassene Häuser, vergessene Plätze, Unorte einer Stadt. Dass hierin Beklemmendes liegt, dass Orte Unwirtlichkeit ausstrahlen und Haustüren abweisend sein können, zeigt der Künstler und Fotograf Hubert P. Klotzeck. E 36. Mit seinem Gespür für (Un)Orte und Lost Places und der  künstlerischen Umsetzung gelingt es ihm, die unterschiedlichen Stimmungen spürbar zu machen, ohne die vielziitierte Schönheit des Morbiden bemühen zu müssen. Es entsteht Interesse. An der Leere, der Verwahrlosung, unwillkürlich kommen Fragen auf - wo ist das, wer hat da gewohnt, warum ...

Zwirn & Zwille. Filz-Kunst. Kunsthandwerk. Objekte. Filz und Form, Designt aus Eichstätt. Reithalle R1.

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Dagmar Hummel und Fredrik Lindqvist. Die Malerin Dagmar Hummel überrascht mit kleinformatigen, hintergründigen Collagen „Donald erklärt uns die Welt“. Gegenüber die großen Holzschnitte von Lindqvist auf Stoff. Seine Motive sind hardrock-wild oder familiär. Man sollte sie real gesehen haben, Abbildungen davon geben das Sinnliche seiner textilen, genähten und bedruckten Arbeiten nicht wieder. Exerzierhalle Koje 23/24 - und nicht vergessen zu schauen, was Donald uns über die Welt sagt.

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Reinhard Dorn. Fotograf und digitaler Künstler. Faszinierend wie er seine Fotografie mit der malerischen Bildsprache „alter Meister“ verbindet oder wie er Bilder zu vielen Schichten übereinander legt, und dabei mit Entblößung, Verdeckung oder pornographischen Momenten spielt. Seine Arbeiten fordern einen zweiten und dritten Blick heraus, der vielleicht erstmal etwas vorsichtig ist … E 38. Einen Einblick in seine Arbeiten hier auf K10.

Susanne Pohl und Stephan Wanzl-Lawrence, arbeiten beide mit der feinen Technik der Radierung, gerne auch mal zusammen an einer Zeichnung, einem gemeinsamen Buch. Auf der Kunstmesse zu sehen sind Kleinformate mit skurrilen Geschichten, Landschaften und Natur, deren Stille man nicht stören möchte oder menschliche, allzu menschliche, Figuren in Situationen und Beziehungen. Mein persönliches Highlight der letzten Kunstmesse 2016 und auch dieses Jahr wieder ein „unbedingt ansehen“. E 39/40.

Wer Beate Diao von ihrer Kunstschule kennt, von den großartigen Kunst- und Streetartevents, mit denen sie viele Menschen bewegt, und als stv. Vorsitzende des BBK, interessiert sich auch dafür, wie sie sich als Künstlerin ausdrückt. In Koje E 42 zeigt sie Holzschnittarbeiten. Motive wie Insekten oder Gehirne stellen sich als das dar, was sie sind oder als Symmetrien, Strukturen, Linien - Ornamente.

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Einen anderen, ebenso spannenden Umgang mit Linien und Strukturen zeigt Karin Roth. Beeindruckend, welche Wirkung das Setzen paralleler Linien haben kann, welch unterschiedliche Strukturen und Farbfelder sie damit schaffen kann. Präzise, minimalistisch und vielfältig. E 6.

Arbeiten aus Seidenkokons - die (fast) textilen Objekte von Walter Bausenwein. R 25.

Richard Gruber. Skulpturen als Karikaturen, ür drinnen und draußen. Menschlich, tierisch, hintersinnig, gut gemacht. Unten Gruber auf der Kunstmesse mit  "Müllers Er" und "Müllers Sie". R12.

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Werner Kapfer. Seine großformatigen Werke sind Farbfelder aus Gelb, Grün, Licht - eine intensive Auseinandersetzung mit Farbe und Wirkung. Sie ziehen an und laden ein, sich in ihnen zu versenken oder sich mit ihrer Energie aufzuladen. E 5.

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Als BBK-Vorsitzender gehört Werner Kapfer zu den Verantwortlichen für die Kunstmesse und plädierte in seiner Eröffnungsrede für Kunst im öffentlichen Raum, für eine bewusst gestaltete und real erlebbare Stadt, die Alle zur Begegnung, zum Gespräch, zur Kommunikation einlädt. Gerade heute, wo die Arbeits- und Lebenswelt zunehmend digital und virtueller werde. Es gehe dabei auch um die Stärkung des Sozialen. „Kunst kann ein Anfang sein - für Begegnung, für Gespräch, für Gedankenaustausch." unterstreicht Kapfer seine Einladung zur Kunst in Ingolstadt.

In diesem Sinne viel Freude bei der diesjährigen Kunstmesse 2018. Wir sehen uns!

www.kunstmesse-ingolstadt.de

Freitag, 08.06.2018, 14.00-20.00 Uhr
Samstag, 09.06.2018, 10.00-20.00 Uhr
Sonntag, 10.06.2018, 10.00-18.00 Uhr

Mit Kunstcafé drinnen und draußen sowie Kinderspielplatz gleich neben der Exerzierhalle.

Bildnachweis | Fotos ©Petra Kleine | K10

348 brigk 6Ingolstadt | Start-Ups wie mirrads arbeiten schon seit einigen Monaten im brigk, dem Digitalen Gründerzentrum der Region Ingolstadt. Mit dem Grand Opening am 2. März 2018 endete jetzt die sogenannte Betaphase und das brigk wurde offiziell und höchstprominent eröffnet. Die bayerische Staatsministerin für Wirtschaft und Medien und stellv. Ministerpräsidentin Ilse Aigner war selbst vor Ort und brachte auch einen Scheck über 10.284.725 Euro mit. Diese Fördersumme wird für die digitalen Gründer nach Ingolstadt fließen, in den Neubau des regionalen Gründerzentrums auf dem Gießereigelände und die Sanierung des Kavalier Dalwigk sowie für Coworking Spaces, Living Labs, Maker Spaces. Vor allem die Netzwerkaktivitäten der Start-Ups sollen dabei gezielt gestärkt werden. Von Beginn an ist das brigk insbesondere beim Netzwerken erfolgreich, das konnten Ingolstadt und brigk-Geschäftsführer Dr. Franz Glatz beim Grand Opening schon als Erfolg verbuchen. Mit mehr als 150 Gästen waren die Führungsetagen der Wirtschaft, Präsidentin Gien und Präsident Schober für den beiden Hochschulen KUE und THI sowie die lokale, regionale und Bundespolitik bestens vertreten. Auch die kreativwirtschaftliche Szene war dabei, um gemeinsam den neuen Treffpunkt brigk „mit dem besten Kaffee der Stadt, so Glatz über die Coffee Roasters District V, zu feiern. Für Ingolstadt hatte sich 2015 eine Kooperation aus Hochschulen, federführend die THI, Stadt und Wirtschaft erfolgreich um eines der Digitalen Gründerzentren beworben, die in jedem bayrischen Regierungsbezirk entstehen sollten. In Oberbayern wurden schließlich sogar zwei Städte ins Förderprogramm aufgenommen, darunter Ingolstadt, mit einem der besten Konzepte, wie Aigner der brigk-Kooperation gerne bescheinigte.

„Das brigk ist eben nicht nur ein Ort aus Stahl und Stein, sondern ein auch lebendiges Netzwerk aus Menschen und Organisationen, denen die Zukunft der Region 10 wichtig ist. Die Kombination aus Gründerförderung und diesem Netzwerk macht das brigk so besonders.“ war dann auch die Kernbotschaft der Wirtschaftsministerin. Um genau dieses Netzwerk sichtbar zu machen, erhielt jeder Gast eine persönliche Community Member Card und genießt so einige der Vorzüge rund um das Digitale Gründerzentrum, etwa den Zugang zur Kontaktdatenbank „Vitamin brigk“. Die Karte mit der Mitgliedsnummer 00001 erhielt Staatsministerin Ilse Aigner, 00002 ging stellvertretend für die Region an Oberbürgermeister Lösel. Und last not least wurde auch das Gründer-Motto noch als T-Shirt unter die Gäste gebracht „Machen Machen Machen“.

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Wirtschaftsministerin Aigner ging in einer gut gelaunten und fachkundigen Runde noch auf besondere Herausforderungen des Digitalen Wirtschaftens ein sowie allgemeine Themen wie einer Fehlerkultur, guten Kooperationsnetzwerke oder einer positiven inneren Ausrichtung der eigenen Ziele. Mit ihr diskutierten Michael Bültmann, Geschäftsführer von HERE Deutschland GmbH, David Neuhaus , Gründer und CEO des Internet-Startup SocialHub aus Ingolstadt und Peter Stahr vom mirrads, einem der ersten brigk Start-Ups.

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Das brigk-Logo sowie das gesamte Corporate Design sowie Website www.brigk.digital entstand übrigens aus der Agentur von Boris Schmelter (Creative Direction). Der Diplom-Designer war in Ingolstadt als Akteur aus der Design-Agentur xhoch4 bekannt geworden, die vor etwa 14 Jahren in Ingolstadt im „Körnermagazin“ gegründet worden war. Inzwischen ist xhoch4 nach München weggezogen.  Boris Schmelters eigne Agentur schmelter brand design hat ihren Sitz in München. Schmelter ist u.a. als Dozent an der THI in Ingolstadt tätig.

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Bilder ©Petra Kleine

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