Donnerstag, 16 Januar 2014 15:00

Tanzen und Kunst mit besonderen Menschen | Förderverein

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foerder tanzEs geht Maria Nieves Tietze um eine Vision: ein Kunstzentrum für besondere Menschen in Ingolstadt. Dort soll es für Tanz, Malerei, Musik Unterricht oder Bildungsveranstaltungen geben, Vorträge und Begegnungen aller Art mit Menschen aller Art: Kindern, Erwachsenen, Menschen mit Behinderung und ohne.

Das Caritas-Zentrum St. Vinzenz hat ein Tanzprojekt für besondere Menschen begonnen. Sie nannte es „Wir sind alle Tänzer“. Nicht von ungefähr erinnert dies an Joseph Beuys „Jeder Mensch ist ein Künstler“, denn es geht nicht um Fähigkeiten oder Leistungsstandards, sondern darum mit künstlerischem Ausdruck zu arbeiten, bewusst über die Kunst zu kommunizieren, sich aus seiner Alltagswelt, Alltagswahrnehmung, Alltagsbegegnung zu entfernen und neue Ausdrucksformen zu finden. Und darum etwas auch gesellschaftlich zu verändern – in der Stadt und zwischen den Menschen.

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Maria Nieves Tietze hat die Methode nach der sie mit den „besonderen Menschen“ arbeitet nicht mitgebracht, sondern vor Ort, mit den Kindern entwickelt. Die gebürtige Argentinierin hatte als Tänzerin zwar schon in Buenos Aires Erfahrung gesammelt, in der Arbeit mit MS-Patienten. Doch für das Tanzprojekt im Caritas-Zentrum St. Vincenz habe sie „mit Null“ angefangen. Sie hat sich vollkommen neu eingelassen auf die anderen Bewegungs- und Sprachwelten der Kinder und hat sich an ihnen orientiert. Sie geht - auch körperlich - ganz nah mit ihnen zusammen, mit jedem Kind einzeln und ganz individuell. „Ich höre den Unterricht erst auf, wenn ich mit jedem Kind getanzt habe.“ Sie hebt die perfekte Atmosphäre im St. Vinzenz hervor, dass es volle Konzentration gebe: für das Projekt, in der Gruppe und von jedem einzelnen Kind.

„Es geht nicht um Fähigkeiten, sondern um Möglichkeiten Ausdruck und Kommunikation zu finden.“

Im Vordergrund der Arbeit steht ein eindeutig künstlerischer Ansatz, es geht um eine ungewöhnliche künstlerische Ausdrucksform, um direkte Sinnesäußerung und unverstellte Wahrnehmung. Behinderte Menschen werden nicht als „handycapped“ sondern als „besonders“ betrachtet, ihr spezielles schöpferisches und originelles Potential wird wertgeschätzt und gefördert. Und alles ist wirklich gegenseitig, schildert Nieves Tietze. „Ich habe mich selbst verändert, denn „Künstler sind eigentlich Egoisten. Ich habe gelernt, Kunst muss großzügig sein.“ Sie spricht von Energie, Liebe, Offenheit.

Der Verein Künstler an die Schulen hat als Träger dieses Tanzprojekt von Anfang an unterstützt. Der erste Vorsitzende, Matthias Neuburger, selbst Musiker und Mit-Initiator des Ingolstädter Tanzfestivals, schildert bewegt, dass es eigentlich eine einzige Schilderung von Maria gewesen war, die ihn seither fasziniere. Sie habe ihm von einem Mädchen aus der Tanzgruppe erzählt, das nicht gehen könne, nicht sprechen könne, doch „eine wundervolle Tänzerin“ sei.

Kunst ist eben eine Sprache, die funktioniert, wenn alle anderen Sprachen versagen,

... so Matthias Neuburger. Er begleitet seither das Projekt, für das es nun auch den Förderverein „Besondere Menschen e. V.“ gibt. Was für die Vision vom "Kunstzentrum für besondere Menschen" jetzt noch fehle, so Neuburger, sei "ein Haus und ein Geld".

Die Vereinsgründung von „Besondere Menschen e. V.“ war der konkrete Anlass, für eine Präsentation in „Vronis Rat(sch)haus. Veronika Peters, Unternehmerin (Gebr. Peters GmbH) und OB-Kandidatin der SPD, war bereit die Schirmherrschaft für diesen Förderverein zu übernehmen und hieß den neu gewählten Vorstand und zahlreiche Gäste in der Donaustraße 1 willkommen. Veronika Peters fühlt sich immer schon in der Kunst ebenso zuhause ist, wie in der Freiwilligenarbeit, der Bildung oder der Förderung von Benachteiligten. Die Bilder, die in ihrem „Wahlkampf-Wohnzimmer“ gezeigt werden sind übrigens von „Palette“ einer Künstler-Gruppe psychisch Kranker, mit denen Robert Bechstädt seit langem Kunst-Ausstellungen durchführt. Veronika Peters als ideale Unterstützerin also für den Verein, der viel mehr will als nur Tanzen.

 

 

Durch „Besondere Menschen e.V.“ soll nun der großartige Impuls von Maria Nieves Tietze dauerhaft gefördert, vertieft und letztlich als Kunstzentrum für besondere Menschen verstetigt werden. Allen ist gleichermaßen wichtig, dass diese künstlerische Arbeit und auch das spätere Kunsthaus nicht an die Peripherie der Stadt gedrängt werden, sondern sichtbar und wahrnehmbar im Zentrum stehen. Dafür brauche Ingolstadt allerdings mehr Willkommenskultur, alles müsse offener, barrierefreier werden, von der Toilette bis zu den Zugängen. Nur dann können auch die besonderen Menschen mittendrin sein.

„Künstler sind eigentlich Egoisten. Ich habe gelernt, Kunst muss großzügig sein.“ Maria Nieves Tietze

Im Vorstand von „Besondere Menschen e. V.“ sind Sabine Redl-Thorbeck (erste Vorsitzende), Roberts Krigers (zweiter Vorsitzender. Leiter der heilpädagogischen Tagesstätte St. Vinzenz), Kathleen Kornprobst (dritte Vorsitzende, Bildende Künstlerin), Rainer Grupp (Schatzmeister) und Heinz Mayr (Schriftführer), im Beirat sind: Maria Nieves Tietze, Sabine Schäffer (Tanzwerkstatt in der Manggasse), Dorina Cziczar, Matthias Neuburger (Musiker, Kulturwerk IN, Tanzfestival), Julia Mayr (Junges Theater Ingolstadt), Lydia Pavlenko und Klara Rüsenberg.

 

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Kunst ist eine universelle Sprache, die jedem Menschen mit seinen unterschiedlichen Fähigkeiten und Sichtweisen zur Verfügung steht. Unsere Utopie und Vision ist eine Zukunftsgesellschaft, die Kreativen mit Behinderung echte Chancen und Möglichkeiten eröffnet, ihre künstlerischen Fähigkeiten auszubilden, zu entwickeln und beruflich zu nutzen.
EUCREA, Verband Kunst und Behinderung

Der Förderverein Besondere Menschen e.V. verfolgt das Ziel „durch ideelle und finanzielle Unterstützung, die Errichtung einer Institution umzusetzen und diese dauerhaft zu unterstützen, in der behinderte Menschen mit Förderbedarf Möglichkeiten finden, sich künstlerisch auszudrücken und zu bilden.“ (Vereinssatzung)

Bei jedem einzelnen Kind sind Fortschritte in Bezug auf Körperbewusstsein, Wahrnehmung und Selbstbewusstsein zu erkennen. Sie bauen Ängste ab und erreichen zugleich innere Ruhe und Ausgeglichenheit.
Pädagogen des Caritas-Zentrums St. Vinzenz Ingolstadt

Im Sinne einer möglichst vollständigen Inklusion von behinderten Menschen gilt es, sie und ihre Anliegen in die Mitte der Gesellschaft hinein zu holen. Dies sollte sowohl durch eine theoretische Auseinandersetzung als auch durch konkrete praktische Maßnahmen geschehen. Die Verbindung der Lebenswelten kann erst gelingen, wenn jeder Sonderstatus, der sich beispielsweise in Form spezieller Einrichtungen zeigt, überwunden wird. Ein Zentrum als Treffpunkt für Behinderte wie Nichtbehinderte, die dort an kreativen Prozessen teilnehmen, kann die Teilhabe behinderte Menschen in bedeutendem Maße fördern. Bevor die Vision einer eigenen möglichst zentral gelegenen Immobilie verwirklicht werden kann, werden zunächst Tanz-, Theater- und Malkurse für behinderte Menschen in der Tanz- und Kulturwerkstatt Ingolstadt angeboten, um einen Teilnehmerkreis zu erschliessen und die Vision „Kunstzentrum“ möglichst breit zu kommunizieren.

Projektbeschreibung, über die Künstlerin, über Inklusion und Kunst als Instrument - unten als Anhang zum Download

Kontakt: Maria Nieves Tietze - Tel. 0172 5228734 oder per Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

 

 

 

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