k10 redaktion

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NeueWelt 348Die Welt verändert sich rasant und ruft permanent nach Innovationen. Die Kultur- und Kreativwirtschaft wird dabei immer wieder als „Innovationstreiber“ bezeichnet. Doch stimmt das auch, beflügelt ein starker Kreativsektor die Wirtschaft? Und vor allem, wie kommt das Neue in die Welt? Wie kann sich ein kreativer Kopf oder künstlerischer Freigeist gegen wirtschaftlichen Wettbewerbsdruck oder den medialen Überfluss durchsetzen? Inmitten der Ausstellung „Glanzstücke“ im Audi museum mobile in Ingolstadt haben sich der Künstler Camill Leberer und die AUDI Exterieur Designer Frank Rimili und Etienne Giuga darüber ausgetauscht. Simone Schimpf, Museumsleiterin und Vorständin der Stiftung konkrete Kunst, führte durch die Diskussion, klärte die Begriffe und forderte heraus.

Das Neue, das Fremde, das Frische. Was ist neu, was ist innovativ? Künstlerisch gesehen gebe es eine keine wirklich neuen Themen mehr, sondern nur eine begrenzte Zahl von Themen und immer wieder einen neuen Umgang damit. Es brauche sehr lange Zeit, bis sich tatsächlich etwas Neues entwickle, denn das Neue sei eben nicht nur das Andere oder einfach nur anders als das Vorherige. „Es ist nicht so, dass das Neue wie eine göttliche Eingebung plötzlich auftaucht“ wies Camill Leberer nach. Es entstehe immer durch Auseinandersetzung, es schöpfe sich aus dem Anderen und verändere es. In der Kunst zeige es sich auch als das Fremde. Wenn heute die Impressionisten massenhaft in den Museen besucht werden, waren sie zu ihrer Entstehungszeit ein Bruch, ungewohnt und fremd. Neu.

„Das Neue ist für uns etwas Alltägliches, eine ständige Frage in unserer Arbeit“, erklärt Frank Rimili. Einem Designer werde eine Aufgabe gestellt, etwa „Mache den A4-Nachfolger.“ Dann arbeiten zehn und mehr Designern über eine lange Zeit, meist einige Jahre, daran. Doch schon bei den ersten Entwürfen komme die ganz entscheidende Frage „Ist das neu?“ oder besser noch ausgedrückt: „Ist das frisch?“.

Kreativ oder schöpferisch. Wer nun dachte, Kreativität sei das Verbindende für Künstler und Designer, wurde erstmal überrascht. „Seid ihr kreativ?“ forderte Simone Schimpf den Künstler geradezu heraus. Kreativ sei doch heutzutage jeder, spitzte Camill Leberer zu, es gebe inzwischen Kreativ-Bäcker, Kreativ-Friseure … Der Begriff sei von der Wirtschaft abgenutzt und passe für ihn als Künstler nicht mehr. Kreativität sei die Norm und daher der Gegensatz zum Künstlerischen, das er als etwas Schöpferisches begreife. Würde ein Künstler also schöpferisch an die Entwicklung einer Aufo-Form gehen, könne es sein, dass es nicht fährt. Für Rimili und Giuga hingegen ist Kreativität ein Begriff, mit dem sie ständig arbeiten. Kreativität kann man wohl nicht lernen, meinte Giuga, man lerne nur, die eigene Kreativität immer besser zu nutzen und gezielt einzusetzen. Seine kreative Arbeit beginne immer auf dem Papier, mit dem Zeichnen. Dem Skizzieren folgt das Scribblen, Doodlen, 3-D-Rendering und schließlich ein Modell 1:1 in Ton. Ein zielorientierter kreativer Prozess. Frank Rimili stellt als Leiter der AUDI-Design-Abteilung Studio 3 sein Team aus Bewerbern aus der ganzen Welt zusammen und dabei ist natürlich die wichtigste Frage: Ist der Bewerber kreativ? Dazu gehöre, dass die Designer sich flexibel und wandelbar zeigten, viele verschiedene Formensprachen beherrschten. Für Rimili auch wichtig ist, so etwas zu erkennen wie Frische und eine „unvoreingenomme Neugier“.

Mythen. Unvoreingenommenheit bitte nicht gleichsetzen mit Unwissenheit knüpfte Camill Leberer hier an. Es gebe das Klischee, Kreativität entstehe am besten aus unschuldiger Ahnungslosigkeit. Doch wirklich neue Dinge entstünden nur in der gesellschaftlichen oder gemeinschaftlichen Auseinandersetzung und einem Wissen über Zusammenhänge. „Wir müssen aufräumen mit den falschen Mythen über schöpferisches Arbeiten durch göttliche Eingebung oder allein im stillen Kämmerlein“, schärfte Leberer ein.

„Uns geht’s genauso! Wir hassen es, wenn wir immer wieder so etwas lesen wie: der Designer hat auf seiner Yacht mal eben auf der der Papierserviette den neuen A4 entworfen.“ räumte auch Frank Rimili mit einem Kreativitäts-Mythos auf. Nichts entstehe mal eben so. Das Design für einen neuen AUDI sei harte Arbeit und knallharter interner Wettbewerb. Zu Beginn des Prozesses stünden viele Designer im Rennen, am Ende fällt die Entscheidung dann auf einen einzigen. Die Auseinandersetzung fände eher konkret mit der spezifischen Geschichte eines Modells statt. Oder wenn man es gesellschaftlich verstehen möchte, dann wenn Städte andere Anforderungen an Fahrzeuge stellen würden – das könne Größe sein oder dass die Zielgruppe sich ändere, lieber Ressourcen schone statt Status zu zeigen. Neben solchen und vor allem technischen Vorgaben bekämen die Designer auch gestalterische Leitplanken - wie sportlich, wie dynamisch, wieviel Avantgarde soll drin sein.

„Vollkommen andere Welt..!“, reagierte Leberer, darum sehe er sich eben nicht als kreativ, sondern ausdrücklich als schöpferisch. Antrieb für seine künstlerische Auseinandersetzung sei gerade nicht der Zweck, sondern eine eine - oft lebenslange und durchaus auch subjektive - Problemstellung. Man brauche Sturheit, um sich eben nicht von außen beeinflußen zu lassen. Dann müsse er aber auch wieder offen werden, um auf Distanz und in den Austausch gehen zu können. Hierfür braucht es nutzlosen, freien Raum und auch so etwas wie Langeweile. Frank Rimili nickt - weniger Druck wäre manchmal schön, um unkonventionellen Ideen mehr Raum geben können. Doch Langeweile? Unvorstellbar, dafür sei alles zeitlich zu scharf getaktet. Doch das seien eben die Bedingungen in der Wirtschaft und damit arbeiteten gerade die Designer bei AUDI nachgewiesen sehr erfolgreich.

Geschichten und Glaubwürdigkeit. „Im Design muss die Geschichte erkennbar sein, die des Vorläufer-Modells, der Entwicklung des Designs. Wir fragen uns immer wieder, ob dies in den Entwürfen erkennbar ist. “ hatte Frank Rimili aus dem Entwicklungsprozess berichtet. „Wir laden über das Design die Produkte mit Geschichte auf.“ Es sei sogar so, dass die Konsumenten bei einem Modell „gespürt“ hatten, dass die Entwicklung sehr zäh gewesen sei, die geschichte mühsam gefunden wurde -  und entsprechend zäh sei die Resonanz auf diesen Audi gewesen. Mit dem Design wird also auch die Glaubwürdigkeit des Produktes transportiert. Emotionen sowieso - schließlich soll der Kunde sich schnell emotional entscheiden können, veile Geld für genau dieses Modell ausgeben zu wollen.

„Welche Geschichte erzählt denn ein Künstler?“ wollte Simone Schimpf von Camill Leberer wissen. Der meinte schließlich, es würde wohl vor allem der Künstler selbst inszeniert, er erzähle seine Geschichte und erfinde sich dabei auch selbst.  Die Themen zeigen die, oftmals auch sehr subjektiven, Problemstellungen die den Künstler beschäftigen, reflektierte Leberer. Und an der Glaubwürdigkeit, daran arbeite man ein Leben lang, dafür stehe der Künstler und sein Werk mit der ganzen Person ein. Hat er die einmal verloren, gibt es also, anders als für Deisgner, kein „Nachfolgemodell“ mit dem erschütterte Glaubwürdigkeit schnell wieder zurückgewonnen werden kann.

Kann Design Neues bringen? Künstler wie Camill Leberer, das wurde deutlich, vertiefen sich solange in eine Thematik, bis es schöpferisch wird. Kreativ, darauf bestand Leberer, sei etwas anderes als schöpferisch. Doch wie ist das mit dem Design, entsteht hier Neues, mit jedem neuen Modell? Rimili bringt ein Beispiel für eine echte Innovation, die er seither allerdings "selbst so nicht mehr erlebt habe": der Citroen DS. Völlig neuer Umgang mit Volumina, der damals nicht in die kastige automobile Welt passte. Es sei ein totaler Bruch gewesen und weit nach vorne in die Zukunft gedacht. Und, so Rimili, es sei tatsächlich ein Künstler gewesen, der für Citroen diese völlig neue Formensprache gefunden habe.

Kunst ist Kunst, alles andere ist alles andere, hatte der Camill Leberer in der Diskussion die Kunst vom Design und auch von der Kreativwirtschaft abgegrenzt. Doch der Austausch, das hat sich gezeigt, ist spannend, fruchtbar und sinnvoll. Und es wird weiter gehen, versprach Simone Schimpf, denn dieser Abend war eine Premiere, etwas Neues.      Petra Kleine

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Camill Leberer, Bildhauer, Maler und Fotograf, lebt in Stuttgart. Seit 2009 ist er auch Stiftungskünstler der Stiftung Konkrete Kunst. Leberer hat für die aktuelle Ausstellung Glanzstücke im Museum Mobile erstmals mit den Material Aluminium gearbeitet. Seine Entwürfe „Räumliche Faltung 1 und 2“ wurden mit Auszubildenden des AUDI Karosserie-Baus umgesetzt. Die Kunstwerke Leberers sind Teil der Ausstellung „Glanz der Technik – Die Faszination des Werkstoffs Aluminium“ die eine Verknüpfung des automobilen Leichtbaus mit dem Material Aluminium zeigt. Noch bis 4. März 2018.

Leberer hatte auch in der Ausbildungswerkstatt über den Wert der Langeweile gesprochen. Wir haben eine Auszubildende gefragt (Foto), was sie denn davon halte, wie das bei ihr angekommen sei. Und tatsächlich berichtete sie, dass sie zuhause (nicht in der Arbeit) ganz bewusst Momente der Langeweile schaffe. „Ich setze mich einfach hin, und tue nichts“.

Etienne Giuga, ist als AUDI Exterieur Designer unter anderem an der Entwicklung von Fahrzeugmodellen wie dem Audi A3 e-tron beteiligt. Der Zukunftsvisionär ist einer der innovativsten Köpfe in seinem Team, so Rimili. Seine Zukunftsvision hat Giuga aktuell auf der Berlinale 2018, beim Audi Panel „Autoindustrie trifft Filmwelt“ vorgestellt (Foto, Links).

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Frank Rimili, ist seit 1995 Exterieur-Designer im Unternehmen AUDI und hat kürzlich den neuen Audi A7 vorgestellt. Als Leiter des Studio 3 des Audi Design Exterieur gestaltet und verantwortet er den internen Wettbewerb der Ideen bis zum letztlichen Erfolg eines neuen Modell-Designs. Rimili war für AUDI auch schon in Hollywood, etwa zur Premiere des Science-Fiction-Films Ender’s Game mit Harrison Ford. Dafür war ein spezieller Science-Fiction AUDI virtuell designt worden (Foto, rechts)

Dr. Simone Schimpf ist Vorständin der Stiftung für Konkrete Kunst und Design Ingolstadt, Leiterin des Museums Konkrete Kunst und Expertin für Zeitgenössische und Konkrete Kunst.

schimpf leberer giuga rimili

Eingeladen hatte zu dem Abend Audi ArtExperience, vertreten durch Inge Wolf-Frör gemeinsam mit der Stiftung Konkrete Kunst und dem AUDI Museum Mobile.

Fotos: (c) Petra Kleine
und
© VG Bild-Kunst, Bonn 2017
© Camill Leberer
© AUDI AG

 

 

 

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johannes hauser zeitjung 348Das online-Magazin ZEITjUNG stellt aktuell den Künstler und Fotografen Johannes Hauser  in einem Interview vor. „Obwohl sie schon tausende Male abgelichtet wurden schafft er einzigartige Bilder!“ schreibt Lisa Brinkmann. Auch der ehem. Bundestagspräsident Norbert Lammert kommt noch einmal zur Wort. Er hatte 2016 im Deutschen Bundestag die Ausstellung zu Hausers Fotoserie "nach oben" eröffnet. Lammert sei hier noch einmal zitiert, weil er klar und gut ausdrückt, warum uns diese Bilder so faszinieren:
„Genau das ist es, was wir von einer ästhetischen Auseinandersetzung mit Politik erwarten: Dass nicht nur schlicht dupliziert wird, was wir ohnehin kennen, sondern dass anders auf etwas geschaut wird, das wir zu kennen glauben, das aber immer wieder fremd, anders dargestellt wird.“

ZEITjUNG richtet sich an junge Leute und „Entscheidungsträger von morgen“ mit Karriere-Themen, Erwachsenwerden, Liebe, Internet, Nachhaltigkeit, Kunst und Kultur. Mit etwa 600.000 Usern (Mediadaten) hat sich das online-Magazin seit 2009 etabliert. Einfach mal reinklicken oder auch direkt auf johannes-hauser-fotografie.de gehen und sich selbst ein Bild machen.

Das ganze ZEITjUNG-Interview mit Johannes Hauser  hier | Aus vertraut mach‘ fremd: Fisheye-Fotografie mal anders.

Mehr lesen auf K10 | Ausstellung Johannes Hauser "nach oben" mit der Laudatio von Christian Silvester "Nach oben" | Ausstellung von Johannes Hauser im Rathaus

 

Bildnachweis: Screenshot aus ZEITjUNG 15.2.18 | Foto unten, Klenzepark: ©Johannes Hauser | Foto oben, J. Hauser  K10

 

 

 

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kunstmesse 348Die Kunstmesse Ingolstadt findet 2018 zum fünften Mal statt. Die Bewerbungsfrist für Künstlerinnen und Künstler, die teilnehmen wollen hat begonnen und läuft bis zum 18.03.2018. Zur Kunstmesse 2018 lädt der Berufsverband Bildender Künstler Ingolstadt und Obb. Nord (BBK) vom 08.-10. Juni 2018 in den Klenzepark ein. Im Exerzierhaus und in der Reithalle im Klenzepark wird drei Tage lang ausgestellt, diskutiert und verkauft.

Ausstellen können professionelle Künstlerinnen und Künstler aus allen Bereichen der bildenden Kunst, die zum genannten Bewerbungsschluss eine vollständige Bewerbung eingereicht haben und ihren Wohn- oder Ateliersitz im Bayern haben.

Zur vollständigen Bewerbung werden benötigt:
Vollständig ausgefülltes Formular mit rechtsverbindlicher Unterschrift
Lebenslauf / künstlerische Vita (max. 10 Zeilen)
Mappe (DIN A4) mit max. 6 Fotos von Arbeiten, die repräsentativ sind für den geplanten Messeauftritt (keine Kataloge o. ä.) – jeweils rückseitig beschriftet mit Namen des Bewerbers, Titel des Werks und Entstehungsjahr.
Anmeldeschluss ist der 18. März 2018 (es gilt das Datum des Poststempels).



Alle Informationen hier, auf der Info-Seite der Kunstmesse 2018.

kunstmesse-ingolstadt.de

 

 

 

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Wichtiges Bild cit77 neujahrsempfang kunst 4Was kann Kunst? Sie bringt, soviel ist sicher, die Menschen zusammen, etwa zum gemeinsamen Neujahrsempfang der Ingolstädter Kunst und Künstler. Die beiden seit vielen Jahrzehnten in Ingolstadt und der Region etablierten Kunstinstitutionen, der BBK (regionaler Berufsverbands Bildender Künstler) und der Kunstverein Ingolstadt, wollten gemeinsam das neue Jahr beginnen. Die Vorsitzenden Hubert P. Klotzeck (Kunstverein) und Werner Kapfer (BBK) boten zur Begrüßung der vielen Gäste, darunter auch Ehrenbürger und Alt-OB Peter Schnell, ihre Variationen zum zentralen Thema „WAS KANN KUNST, WAS KUNST KANN, KUNST KANN WAS.“

Der Abend war zugleich Finissage der Ausstellung DARK MATTER der türkischen Biennale-Künstlerin Yasam Sasmazer. Schwarze Materie, Krisen, Schatten und dunkle Seelenzustände als Auftakt für 2018? Müssen Künstler den Finger immer in die Wunden legen? Kann Kunst auch feiern? Um beides vorweg zu nehmen: Ja! Und natürlich gab es auch Musik, wurde getanzt, gegessen und auf 2018 angestoßen.

Doch zuvor wollte die Frage „Was kann Kunst“ beantwortet werden. Welche Rolle können Künstler bei der Bewältigung gesellschaftlicher oder persönlicher Traumata spielen? Dazu war Christine Fuchs eingeladen, Künstlerin und Geschäftsführerin des bayerischen Städtenetzwerkes STADKULTUR. Sie bereitet aktuell ein bayernweites Kunstfestival zum Thema Kunst und Gesundheit vor (kunst-und-gesund.de). Fuchs skizzierte die Möglichkeiten der Kunst, um gesellschaftliche Krisen oder persönliche Erschütterungen aufzuarbeiten. Künstler machen diese sichtbar, setzen Unrecht, Umweltzerstörung oder menschliches Elend „ins Bild“. Wir alle kennen solche Kunstwerke. „Der Schrei“ von Edward Munch. Ai Weiwei (So sorry), der mit 9000 Schulranzen am Haus der Kunst in München an die toten und totgeschwiegenen Kinder nach einem Erdbeben in China erinnerte. Jenny Holzer („Wo Frauen leiden bin ich hellwach“) verarbeitet die Massenvergewaltigungen muslimischer Frauen im Jugoslawienkrieg. Untergrundkunst macht auf Unterdrückung oder unwirtliche Städte aufmerksam. Dabei setzten die einen auf einen Heilungseffekt. Auch, so Fuchs, weil sie mit ihrer Arbeit selbst die „heilsame“ Wirkung der Kunst erleben. Andere strebten eine Re-Traumatisierung an, wie ein südafrikanischer Theaterregisseur, der mit exzessiver Gewalt in seinen Stücken für Aufsehen sorgt. Kunst als Therapie? Wird hier nicht ausgerechnet die Kunst instrumentalisiert und auf Nützlichkeit verengt? Diese Bedenken stellen sich zurecht, für das Theater ebenso wie für die Malerei oder die Musik.

Kunst ist Kunst, reflektiert Christine Fuchs. Sie fände ihren Sinn und ihren Zweck in sich selbst. Und auch, wenn sich die Künste mit anderen Zwecken verbinden – in der Werbung, im Design oder in der politischen Kunst – so befänden sich diese Verbindungen immer in einem gewissen Spannungsverhältnis, das sich selbst kritisch hinterfragen müsste.

Und wir? Wir sollten uns von Kunst berühren lassen und uns dabei „auf Seelisches“ einlassen. Ein Kunstwerk oder Theaterstück zu sehen, sei nicht etwas, das uns geschehe, sondern es sei etwas, das wir aktiv tun würden – es verändere uns. Fast klingt es wie eine (Vor)Warnung. Wir könnten dabei erleben, so Fuchs, dass von einem Werk etwas in uns angesprochen würde, das sich mit unseren eigenen Erfahrungen verbindet, das wir „wiedererkennen“. Hier seien wir in einem Bereich der Wirksamkeit von Kunst, der mit Bewusstwerdung zu tun habe. Und nur Bewusstwerdung führe letztlich zu Heilung und Transformation. Für Städte oder Menschen gleichermaßen.

Dark Matter | Sasmazer hat für ihre Figuren jeweils eigene Bereiche geschaffen, in denen sich die Figur mit (ihren) Gefühlen auseinandersetzt, sich von ihnen erdrücken lässt, die Umstände hinnimmt oder sie zu beherrschen versucht. Ängste, Schatten, Ohnmacht, Verletzungen und auch Stärke, Trotz, Kampf zeigen sich. Auf der Haut, an der Haltung, im Blick. Die lebensgroßen Figuren aus Lindenholz, zugleich schön und düster, machen es schwer, sich nicht in diese Räume hineinziehen zu lassen. Sasmazer bezieht mit dieser gewonnen Nähe auch unsere Gefühle, unserer Seele, inneren Bildern mit ein. Sie nennt ihre Skulpturen-Reihe „Metanoia“ und verweist damit auf C. G. Jung und psychologische Phänomene. Es geht dabei um Zusammenbruch, mit der Möglichkeit der Selbstheilung und Erneuerung. Dazu gehört auch Schmerz. Und diese Transformation aus der Krise geht nur über die Bewusstwerdung. Das hat uns Yasam Sasmazer gezeigt. Das ist, was Kunst kann.

Direkt aus dem Griechischen übersetzt heißt Metanoia übrigens Sinnesänderung oder Umkehr des Denkens. Da lassen wir uns 2018 gerne von der Kunst mitnehmen.

 

Bildnachweis: ©Petra Kleine | K10

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location occupied 348

Ingolstadt | Nur für kurze Zeit ist diese besondere Hausbesetzung durch Kunst bei der Gemeinnützigen Wohnbaugesellschaft Ingolstadt (GWG) zu sehen. "Location occupied for time" ist der Titel, den 17 Künstlerinnen und Künstler des Berufsverbandes Bildender Künstler (BBK) ihrer Kunstaktion gegeben haben. Kurz vor dem Abriss wird ein Wohnblock der GWG an der Stargader Straße zum Kunstmuseum, entstehen auf den Wohnspuren der ehemaligen Bewohner neue Räume. "Wir bemühen uns immer, Künstler zu unterstützen", sagt dazu Alexander Bendzko, technischer Leiter der GWG, in einem Bericht des Ingolstadtädter DONAUKURIER (hier lesen). Werner Kapfer, Vorsitzender des BBK, freut sich darüber, die Kunst so "direkt mit der Stadt zu verbinden. Das bringt die Kunst ganz nahe ans Leben." Schließlich, so Kapfer weiter im Donaukurier, sei eine Wohnung ein besonderer Raum. "Sie ist aufgeladen mit persönlichen Erinnerungen, voller privater Bedeutung. Die Künstler schaffen darin natürlich etwas Neues, diese Erinnerungen können dabei aber nicht ignoriert werden".  Ziel der Ausstellung ist es also, das gesamte Gebäude in einen großflächigen Kunstraum zu verwandeln – ganz nach dem Motto „Raum schaffen für Kunst und Kreativität“. Viele der Künstler haben sich mit den Räumen, der Geschichte und den Prozessen auseinandergesetzt woraus z.T. Arbeiten entstanden die darauf Bezug in direkter Weise nehmen. Also sehr spannend.

Unbedingt ansehen!

Freitag, 17. November bis Sonntag, 19. November 2017

Öffnungszeiten:
Freitag 17.00 bis 23.00 Uhr
Samstag 15.00 bis 23.00 Uhr
Sonntag 13.00 bis 18.00 Uhr

Die Stargader Straße 15a ist an der Südlichen Ringstraße gegenüber vom Wonnemar.

Hier zum Bericht des Donaukurier „Jamaika liegt im Erdgeschoss“ von Johannes Hauser.

 

 

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KUK Treffen 2 348UPDATE: Die Veranstaltung am 29.11. musste kurzfristig leider abgesagt werden. Doch ihr könnt hier nachlesen, was die KUK sich erarbeitet hatte, als Input für die kreative Stadtentwicklung.

Ingolstadt | „Wieviel Pioniergeist geben Sie, Herr Oberbürgermeister?“ Eine der Fragen, mit der die Akteure der Kultur- und Kreativwirtschaft die Stadtspitze sowohl auffordern als auch motivieren will, gemeinsam Ingolstadt attraktiver zu machen, auch für Kreative. Was von der KUK vorgedacht wurde und wie die Vision für Stadtveränderung aussehen kann, das soll beim nächsten Kreativwirtschaftstag am 29. November 2017 öffentlich vorgestellt werden, wenn es heißt „doIN‘ next!“.

Die Kultur- und Kreativwirtschaft (KUK) zu stärken und Ingolstadt auch als Kreativstandort zu entwickeln, ist seit gut fünf Jahren Thema in der Stadt. Mit Beratungstagen von bayernkreativ, Plattformen wie K10, Dialogforen und Veranstaltungen wie dem Creative Monday waren Angebote gemacht worden, doch irgendwie hatte es nicht so gezündet wie etwa in Regensburg oder München. Erst letztes Jahr kam schließlich ein entscheidender Impuls. Die Wirtschaftsförderung der IFG hatte zum „Perspektivwechsel“ eingeladen, um die Potenziale der Kreativwirtschaft zu erkennen und zu nutzen (hier mehr lesen). Die KreativwirtschaftlerInnen forderten den Oberbürgermeister auf, bei der Stadt eine verbindliche Anlaufstelle zu bekommen, die die Zusammenarbeit von KUK, klassicher Wirtschaft und Verwaltung vermittelt. Eine solche wurde mit Alexandra Kröner (Wirtschaftsförderung IFG) auch umgehend geschaffen, die seither auch die KUK unterstützt. Im Gegenzug hat der OB den Kreativen zu verstehen gegeben, dass diese auch selbst aktiv werden und Input bringen müssen. Und die KUK hat geliefert. UnternehmerInnen, Designer, Künstler, digitale Entwickler, Autorinnen, Veranstaltungsmanager, kreatives Handwerk, Sounddesigner, Marketingfachleute, Fotografen, Kunstschule, Architekten und Kulturschaffende aus Musik, Film, Tanz, Theater und Kulturvereinen haben sich organisiert. Im KAP 94, Studio Famos und brigk-Gründerzentrum wurde vernetzt, diskutiert, abgewogen und schließlich ein branchenübergreifendes Konzept für die kreative Stadtveränderung erstellt. Im Juni dann die Präsentation beim OB und der stellte die Signale auf Go! Aktuell wird noch feingearbeitet und beim Kreativwirtschaftstag Ende November wird das KUK-Konzept öffentlich vorgestellt.

Die Stadt schafft Strukturen, die KUK schafft Szene

Und dann heißt es „die Stadt schafft Strukturen, die KUK schafft Szene.“ Die Ziele für Ingolstadt werden sein, Fachkräfte nach Ingolstadt zu bringen und auch in der Stadt zu halten sowie den kreativwirtschaftlichen Sektor, der lokal mehr als 300 Mio. € Umsatz jährlich wertschöpft, mit seinen Unternehmen und den kreativen Köpfen sichtbar zu machen. Mehr Orte für Subkultur und Szene gehören dazu, „coole Locations“, lässige Treffpunkte und Kunst im öffentlichen Raum, ein Kreativquartier oder zumindest offene Räume für mehr Sichtbarkeit und Vernetzung. Das brigk, soviel hat sich schon gezeigt, könnte einer davon werden, an der Schnittstelle zum Digitalen. Dringend notwendig sind bessere Möglichkeiten für das Veranstaltungs-Marketing. Seit der neuen Plakatierordnung sind die städtischen Litfaßsäulen nicht mehr für freie Theater oder Kunstvereine nutzbar. Ein PopUp Store gezielt für lokale Produktdesigner und als Produzentenshop wird von der IFG demnächst realisiert, im Rahmen von IN-City Freiraum.

Pioniergeist für Ingolstadt

Für das Gelingen der kreativen Ingolstadt-Veränderung ist die enge Zusammenarbeit der Stadtspitze mit der KUK gefordert und deren Bekenntnis zum Kreativwirtschafts-Standort. Wenn die Stadt mitzieht, hat sie mit den Kulturschaffenden und KUK-Unternehmen lokale Partner an ihrer Seite, die Ingolstadt verbunden sind, mit Innovationsgeist, Überzeugungskraft und Ausdauer. Und mit Pioniergeist, denn den bringen gerade die kreativen Branchen und digitalen Startups mit. „Die Kultur- und Kreativwirtschaft ist die Keimzelle von Innovation, die Avantgarde künftiger Arbeitsformen, die Forschungs- und Entwicklungsabteilung für die Lösung der aktuellen Herausforderungen in Ökologie, Stadtentwicklung und Migration. Die Akteure der Kultur- und Kreativwirtschaft befeuern die Dynamik urbaner Standorte, durch sie wird eine Stadt zur Smart City, durch sie wird ein Bürger zum Smart Citizen*.“ Worauf warten wir noch. doIN‘ next!

doIN‘ next! Aktivitäten zur Kultur- und Kreativwirtschaft Ingolstadt
29.11.2017 ab 15:30 Uhr im Kulturzentrum neun, Elisabethstrasse 9a, 85051 Ingolstadt

Dollmann 100Die Wirtschaftsförderung der Stadt Ingolstadt (IFG) lädt ein. Erwartet werden Kulturschaffenden und Unternehmen der KUK sowie der klassischen Wirtschaft, Kulturbetriebe, Politik und Verwaltung.

Moderiert wird der Kreativwirtschaftstag von der Theater-,TV- und Kinoschauspielerin Christiane Dollmann („Willkommen bei den Hartmanns“, „Fuck ju Göthe 3“), die in Ingolstadt lebt. Sie wird das Programm auch musikalisch-lyrisch umrahmen.

Für die Teilnahme können sich Interessierte bei der IFG-Wirtschaftsförderung anmelden, formlos per Email an Alexandra Kröner Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.

 

 *Zitat von Jürgen Enninger, der Ingolstadt die letzten sechs Jahre begleitet und viele Kreatvischaffende in ihrer Erwerbstätigkeit beraten hat. Er ist jetzt Leiter des KUK-Kompetenzteams München.

Fotonachweis Christiane Dollmann © Hagen Schnauss
Foto oben: KUK-Treffen im Studio Famos © Petra Kleine

 

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palimps best 348Ingolstadt | STUDIO FAMOS sagt: welcome back im Pop up-Store von schnellervorlauf! In Kooperation mit Creative Industries Styria (CIS) präsentiert das Studio Famos unter dem Titel „Palimp’s best“ gewohnt überraschende und erlesene Objekte von Grazer DesignerInnen – von Keramik über fruchtige Leuchten bis zu perforierten Tischen, die das Ändern, Überschreiben und Neuzusammenfügen der Bedeutung und Funktionen von Produkten und Kontexten thematisieren. Die Designer Tobias Kestel (White Elephant), Markus Ofner und Wolfgang Löffler (Schmuckes) sind bei der Eröffnung vor Ort.

Wichtig: Nur für kurze Zeit, nur bis zum 11. November!

Designer | Labels

Tobias Linus Kestel / kestel.co

1976 in Zwiesel/ Bayern geboren, lebt und arbeitet Tobias Kestel seit seinem Industrial Design Studium, das er 2005 abgeschlossen hat, in Graz/Österreich und gründete anschließend White Elephant Studio. Arbeiten von Kestel wurden unter anderem im MoMA in New York, im CCB Lissabon, Istituto di Torino oder im Museum für angewandte Kunst in Frankfurt am Main gezeigt. Nominierung Staatspreis Design 2013 für Raumgestaltung in Zusammenarbeit mit Florian Puschmann. Gast-Lehrtätigkeiten und Projektbetreuungen am Institut für zeitgenössische Kunst der TU Graz (Fakultät Architektur), am Masterstudiengang Communication, Media, Sound and Interaction Design der FH Joanneum Graz, am Institut HyperWerk für Postindustrial Design in Basel, am Studiengang Industrial Design2 der Universität für angewandte Kunst Wien. Lehrveranstaltung Grundlagen der Gestaltung (gestalten1&2) an der FH Joanneum Graz, Studiengang Industrial Design seit Wintersemester 2014 in Kooperation mit Florian Puschmann.

White Elephant Studio / white-elephant.at

Das Design-Kollektiv White Elephant Studio (Florian Puschmann und Tobias Kestel) arbeitet frei nach dem Motto Every Body is a Universe — sie loten Phänomene in Natur und Eigenschaften von Materialien aus und übersetzen diese in Designobjekte. Das bedeutet für White Elephant: Das Spiel der Kräfte zu beobachten, Qualitäten aufzuzeigen, um so Potenziale freizulegen. Durch diese Arbeitsweise entstehen Produkte, die abseits von Moden und kurzlebigen Trends für Nachhaltigkeit stehen. Arbeitsfelder reichen von klassischem Industriedesign über interaktive Installationen bis hin zu experimenteller Auseinandersetzung mit Materie.

Odrowaz (Bettina Reichl) / de-de.facebook.com/Pellmell

Bettina Reichl ist ein Prototyp der vernetzten Denkerin. Ihre Leidenschaft für die Wissenschaft ist mindestens so groß wie die für das Modedesign. So beschäftigt sich
die ausgebildete Designerin schon seit 1993 mit Forschungsprojekten rund um
biogenes Verpackungsmaterial, eröffnete Anfang 2002 zusammen mit drei weiteren
Modesignerinnen den Pell Mell Shop in Graz und ist Mitbegründerin des Grazer
Designfestivals assembly, das sie von 2003 bis 2011 auch mitorganisiert hat. Seit 2004
kuratiert sie internationale Modeprojekte im Rahmen der Projektreihe Crossing
Fashion.

In ihrem eigenen Label ODROWAZ greift sie ihr vielseitiges Wissen auf: Jersey-, Web- und
Lodenstoffe aus Naturfasern, weich und fließend, schneidert sie auf oft archaische, mönchische und gleichzeitig erotische Art rund um den Körper. Traditionelle Bekleidungsarten wie das Cape oder die Kapuze sind unverkennbare Basis ihrer Arbeit, ergänzt um futuristische Elemente wie z.B. hautenge Overalls. Seit 2011 stellt sie sich einer neuen Herausforderung: Stoff-Färbungen aus reinen Pflanzenstoffen in Kooperation mit dem Institut für Textilchemie und Textilphysik der Universität Innsbruck (Projekt Colors of Nature).

2010 Slow Fashion Award
2011 Kastner & Öhler Fashion Award
2013 Nominierung beim Kastner & Öhler Fashion Award
2015 Nominierung beim New Age Fibre Artist Award

Schmuckes (Wolfgang Löffler, Noah Layr) / schmuckes.at

Das Atelier für zeitgenössische Schmuckkunst in Graz umfasst die Herstellung von künstlerischem Schmuck, die Anfertigung von individuellen Einzelstücken und Auftragsarbeiten, sowie Workshops und Ausstellungen. Es sind nicht nur kostbare Steine und edle Metalle alleine, die eine bedeutende Goldschmiedearbeit der Gegenwart auszeichnen.
Längst stehen die eigenständige künstlerische Idee, die Anwendung alternativer Materialien oder gesellschaftliche Themen für die Qualität eines aktuellen Schmuckstückes. In dem Atelier in Graz kann man das Handwerk und die Entstehung der Einzelstücke am Ort ihres Ursprungs erleben.

Als weitere Designer |  Labels sind zu sehen La Loam (Selma Etareri) / selma-keramik.at, Markus Ofner (mit Andreas Thaler), XAL / xal.com

Über STUDIO FAMOS | Überregionale Designer nach Ingolstadt zu holen und allen Design- und Kulturinteressierten einen sicheren Hafen an Inspiration, Austausch und nachhaltigen Produkten jenseits der Massenfertigung zu bieten: Das ist das Ziel und die Motivation von Sigrid Diewald und ihrem Team der Designagentur schnellervorlauf, die am 10. März 2016 mit Upcycling Design aus Graz das Studio Famos im Erdgeschoss des denkmalgeschützten Gebäudes in der Harderstraße 22 eröffneten.

Öffnungszeiten

3.11. – 11.11.17 | Montag – Samstag | 10.00 – 19.00 Uhr
STUDIO FAMOS Pop-up-Store | Harderstraße 22 | Ingolstadt

www.studiofamos.com

 

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348 PopUp Art Piano1Ingolstadt | Crowdfunding*-Projekt PopUp Art Piano – Verleih der Jugend Flügel | Viele Wochen haben die Jugendlichen der „Abteilung Bildende Kunst“ der Kunst- und Kulturbastei Linolschnitte von Musikerinnen und Musikern gefertigt und das Piano damit gestaltet. Es wurde dann von der „Abteilung Musik“ der Jugendkunstschule durch die Stadt transportiert, übers Pflaster geschoben, vor Sonne und Regen geschützt, stand am Gleis 1 des Hauptbahnhofs, in der Fußgängerzone, an der Donau oder beim Wochenmarkt. Wurde bespielt, gehegt und gepflegt. Das PopUp Art Piano entstand für das „Jugend Kunst- & Musikfestival 2017“ und ist ein Leihflügel von „Piano Barthel“. Jetzt wollen die Jugendlichen es für die Harderbastei gerne behalten, damit auch künftig damit musiziert wird - in der Stromlos-Bigband, für die Jazzworkshops oder als Begleitinstrument für den Chor. Zudem stünde der Flügel für Veranstaltungen des Berufsverbandes Bildender Künstler und allen städtischen Veranstaltungen die in der Harderbastei stattfinden zur Verfügung. Da die Resonanz der Aktionen mit dem PopUp Art Piano sehr groß und positiv waren, würden auch wieder Musik-Aktionen im öffentlichen Raum stattfinden.

Wieviel Geld wird gebraucht?
Um den Flügel als PopUp Art Piano erhalten und vor allem behalten zu können, werden 7.500 € gebraucht. Davon wurden über die crowdfunding-Plattform www.startnext.de/fluegel bereits 2.870 € akquiriert, 2.100 € hat der Bezirksausschuss Mitte aus dem Bürgerhaushalt zugesagt – es fehlen also noch 2.530 €.

Wie kann man spenden und unterstützen?
Entweder online spenden über die Internet-Plattform www.startnext.de/fluegel oder direkt an die Kunst- und Kulturbastei, Beate Diao Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! www.kunstundkulturbastei.de.

Unterstützer erhalten, neben einer Spendenquittung, übrigens auch ein Dankeschön. Je nach Höhe der Spende ein „Kunst ist …“-Plakat, einen PopUp Art-Kunstdruck, PopUp Art-Tasche, ein Wohnzimmerkonzert …

*Mit Crowdfunding lassen sich Projekte, Produkte, Startups und vieles mehr finanzieren. Das Besondere beim Crowdfunding ist, dass eine Vielzahl von Menschen ein Projekt finanziell unterstützen. Wobei dies meist über das Internet, über spezielle Plattformen organisiert wird. Die Unterstützer erhalten dabei eine nicht-finanzielle Gegenleistung (Dankeschön), das meist im Zusammenhang mit dem Projekt steht. K10 stellt Projekte auf der Plattform k10net.de vor, um Unterstützer für regionale Ideen und Projekte zu finden. crowdfunding-Projekt im Oktober ist das PopUp Art Piano für die Kinder- und Jugend-Kunstschule in der Harderbastei „Kunst und Kulturbastei e.V.“

www.startnext.de/fluegel

www.kunstundkulturbastei.de

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Foto: oben ©Petra Kleine; unten: ©Kunst- und Kulturbastei e.V.

 

 

348 Blauschaf3Ingolstadt | Blauschafe. Venedig, Basel, Brüssel, Wien … und nun auch Ingolstadt. Sie sind sympathisch, attraktiv und waren als Friedensherde bereits in 160 Städten international unterwegs. An drei Tagen im September grasten sie nun leuchtend ultramarinblau vor dem Ingolstädter Rathaus. Und haben gewirkt. Mindestens Neugier, oft ein Lächeln haben sie von den Passanten bekommen und sie wurden fotografiert, als Selfie, mit dem Hund, dem Freund, dem Kind. Dem Herdentrieb konnten hartgesottene FC 04-Fans ebenso wenig widerstehen wie junge Pärchen. Selbst Oberbürgermeister Lösel musste es tun - einmal kurz streicheln - bevor er die Kunstaktion eröffnete. Ingrid Gumplinger und Barbara Deimel, städtische Beauftragte für Integration und Gleichstellung, hatten die Friedensherde nach Ingolstadt geholt. Dabei ging es natürlich nicht nur um Kunst im öffentlichen Raum, die Blauschafe brachten vor allem eine integrative Botschaft mit: Alle sind gleich – jeder ist wichtig.

Sein Ziel als Künstler sei es, so Blauschäfer Rainer Bonk, über optische Reize geistige Sachverhalte zu bewegen und so auf die Gesellschaft einzuwirken. Kunst im öffentlichen Raum sei dafür ideal, denn 90% aller Reize gingen über das Auge in unsere Wahrnehmung. Die Installation auf dem Rathausplatz schaffe ein Erlebnisumfeld für die Betrachter, mache sie zu einem Teil der Kunstaktion und binde sie so emotional. Der Bruch der Sehgewohnheiten steigere das Interesse. Die Blauschafe als sympathische Symbolträger in leuchtendem Ultramarin mitten in der Stadt hatten daher beste Chancen die Menschen zu erreichen.

Bei den Blauschafen sehe man erst auf den zweiten Blick, dass alle gleich sind, warb Rainer Bonk für seine Botschaft. Sie haben genau die gleiche Form, doch durch die Anordnung in unterschiedlichen Gruppen und andere Blickrichtung sieht man es nicht gleich. So, wie man auch bei den Menschen oft erst beim zweiten Hinschauen erkenne, was einander grundsätzlich verbinde: gleiche Grundbedürfnisse und ähnliche Empfindungen im tagtäglichen Leben. Erst danach würden die individuellen, kulturellen oder ethnischen Unterschiede bedeutsam, denen man aus dem Blickwinkel der grundsätzlichen Wertschätzung für den Anderen besser begegnen können, auch wenn er einem fremd sei. Und diesen zweiten Blick, das bedachte Hinsehen auf das Verbindende, brauche es für ein friedliches Miteinander. Das Blau als Farbe steht auch symbolisch für das Verbindende und ist die Farbe internationaler Organisationen wie der UNO oder der EU, die das Kunstprojekt auch unterstützt.

Oberbürgermeister Lösel nahm diese Idee gerne auf. Immerhin lebten 154 Nationalitäten in Ingolstadt zusammen. „Die Welt ist in Ingolstadt zuhause.“ Die Vielfalt der etwa 58.000 Menschen mit Migrationshintergrund habe die Stadt sozial und kulturell weit gebracht und auch wirtschaftlich überaus erfolgreich gemacht. „Wir arbeiten hier alle miteinander gut zusammen.“ Damit könne Ingolstadt ein positives Zeichen setzen als einer Stadt der Vielfalt und eines friedlichen Miteinanders.

Ob wirklich alle gleich oder gleich wichtig sind oder sein könnten, ob alle gleich sein wollen, darüber wurde viel gesprochen am Rande der Blauschafherde. Integration und Inklusion wurden durch diese Kunstaktion auf jeden Fall zum Gesprächsthema im Rahmen der „interkulturellen Wochen“ in Ingolstadt.

www.der-blauschaefer.de

Dieser Artikel ist auch in print erschienen, im Trendmagazin Citicon Nr. 74 | Unter Blauschafen. Alle gleich. Jeder wichtig.

 

 

 

Brennnessel Aktion 348Die Brennnessel. Urtica. Für die einen ist sie garstiges und schmerzhaftes Unkraut, für andere ist sie Nahrung, textile Nutz- und Heilpflanze oder gar ein wehrhaftes, mächtiges Zauberkraut. Seit Jahrtausenden ist die Brennnessel nachweisbar mit der Kulturgeschichte des Menschen verbunden und folgt ihm seither überall hin. Sie findet sich in archäologischen Funden aus der Keltenzeit, in der Bibel, in Märchen und der nordischen Mythologie. Wir entdecken sie symbolträchtig in der Malerei von Dürer oder in der Widerstands-Kunst der 30er Jahre. Man kann sie selbst sammeln oder (manchmal) als Wildgemüse auf dem Ingolstädter Wochenmarkt kaufen.

Der Kunstverein Ingolstadt hat mit dieser vielseitigen Pflanze Ende August die Reihe „Urbane Akupunktur“ gestartet. Mit gezielten Kunst-Aktionen werden – mehr oder weniger schmerzhafte – feine Nadelstiche gesetzt. Wo Heilung notwendig ist, soll die Aufmerksamkeit gezielt hingelenkt werden, um Energien für Umdenk-Prozesse in der Stadt freizumachen.

Wenn die Brennnessel etwas meisterlich beherrscht, so die Künstlerin ANJA SCHOELLER, ist es, die Aufmerksamkeit ins  JETZT zu lenken: „Unsere Gedanken können in der Vergangenheit, der Zukunft oder in Träumen und Fantasien sein, die Brennnessel schafft es, unsere Achtsamkeit für den Augenblick zu wecken.“

Fotograf und Galerist HUBERT KLOTZECK hat als Vorsitzender des Kunstvereins und Initiator der Brennnessel-Kunstaktion für den Auftakt der urbanen Akupunkturen die Fürther Künstlerin gewinnen können. Anja Schoeller (www.zwischenbericht.eu) arbeitet international zu Themen wie Ökologie, Geschichte und Stadt. Sie legt viel Wert auf Teilhabe, arbeitet gemeinsam mit Anwohnern oder interessierter Öffentlichkeit in Kunstprojekten oder an ihren sozialen Skulpturen und thematisiert Grundbedürfnisse. Der öffentliche Raum, der bebaute und der unbebaute, erfüllt oder enttäuscht Grundbedürfnisse und er ist eine Möglichkeit für die Menschen an ihrer Stadt teilzuhaben, sich in ihr zu begegnen und sie mit anderen zu teilen – mit Nachbarn, Fremden, Tieren, Pflanzen.

Die Brennnessel – Eine Analogie Initiiert von Anja Schoeller

Die Künstlerin begleitet die Akteure durch die Begegnung mit der Brennnessel, sammelt persönliche Erfahrungen, erzählt Kulturgeschichte(n) über das wehrhafte Kraut und dessen Symbolik – Widerstand, Abgrenzung, sexuelle Energie, Kampfbereitschaft, Mut. Die Stadt und der Zaun, der das Zivilisierte vom Wilden, also vor Brennnnessel und Distel schützt, hängen sogar sprachlich zusammen. "Zaun" ist verwandt mit dem keltischen "dun", dem altnordischen "tuna" und schließlich dem englischen Wort town für „Stadt“.

Am Donauufer wurde es dann praktisch. Es ging darum, die Brennnessel zu finden und sich mit ihr auseinanderzusetzen. Die einen pflückten sie, andere aßen ihre Blätter und Samen, gruben sie aus, redeten mit ihr, suchten das Schamanische. Manche taten dies mit den bloßen Händen, andere mit Handschuh und Spaten. Nicht zuletzt gab es praktische Überlegungen, ob es in der Stadt überhaupt Orte gibt, wo das Wildkraut – sauber und essbar – gesammelt werden kann? Denn, wo Brennnesseln wachsen, landet eben auch gerne mal der Müll. Spürbar wird es enger für „das Wilde“! In Ingolstadt zeigen sich konkrete Nutzungskonflikte derzeit am südlichen Donauufer und es geht dabei auch um die Brennnessel. Ein Baum wird heutzutage so schnell nicht mehr gefällt. Doch was gilt der wildwüchsig krautige Auwaldbereich, bleibt er den Vögeln, Insekten und Wildpflanzen erhalten? Brauchen wir Menschen zur Erholung diesen Uferbereich, bebauen ihn mit Wegen, räumen auf und als erstes kommen die unkrautigen Brennnesseln weg? Dieser Konflikt wird demnächst von der Stadtgesellschaft ausgetragen und konkret vor Ort entschieden werden müssen. Zuletzt projizierte Hubert Klotzeck noch das Blatt einer Urtica auf uns Menschen und wir wurden für einen Moment eins mit ihr. Die Akupunkteure des Kunstvereins haben ihren ersten Nadelstich der Achtsamkeit gesetzt. In den Stunden mit der Brennnessel wurde, als treffliche Analogie zum uralten Wildkraut, das Bewusstsein genährt, die Aufmerksamkeit geweckt und das Wehrhafte in uns gestärkt.

 

 

Projektionen von Hubert P. Klotzeck www.galeriebildflaeche.de | Mehr ... http://jalbum.net/de/browse/user/album/1824449 |  © Hubert P. Klotzeck

Fotos von der Kunstaktion | © Susanne Hansch www.derwildeweg.de

 

 

 

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