Samstag, 30 April 2016 18:47

Making of ... Sommertag | Von Werner Kapfer

von

Werner Kapfer Sportbad 1170x388Ingolstadt | Ein Wettbewerb, drei Herausforderungen. 
Die Philosophie des Architekten,
die Akzeptanz durch einzubeziehende Jugendliche,
ein Kunstwerk in der Balance von Durchsetzungskraft und Zurückhaltung. 

Meine erste Idee: Eine Arbeit die den Schwimmsport und die Entstehung der Gestaltung direkt verbindet. Eine sehr aktive, sportliche Schülerbeteiligung: Jugendliche Mitglieder des SC Delphin, die möglichst optimale Startsprünge zeigen, vor der Kamera. Startsprung „Freistil“ und Startsprung „Rücken“. Auswahl der besten Fotos. Gruppierung und räumliche Anordnung. Nach der Umsetzung für digitale Druckverfahren dann gemeinsame Farbdefinitionen. Nach dem Colloquium jedoch stand fest: Die digitale Technik war in der vorgesehen Fliesengröße nicht möglich. Also zurück auf Los.

Der Blick in eine sonnendurchflutete Baumkrone führte mich dann zu einem neuen Ansatz. Rückbesinnung auf den Kern meiner Arbeit: Das Farbfeld. Horizontale Gliederung, vibrierende Farben. Die Jugendlichen der Kunst und Kulturbastei sollten mir ein wichtiges Feedback auf dem Weg zur endgültigen Festlegung der Farben für die Wettbewerbsphase geben.

Präsentiert durch einen Beamer, also Licht, wirkten die Farbtöne der Entwürfe mit ihren Gelb- und Grünnuancen lebendig und freundlich. Die Stimmung zeichnete spontan ein Lächeln auf die Gesichter der Betrachter. Die Abstraktion der Arbeit, mit ihren sehr reduzierten, aus der Natur entlehnten Strukturen, stellte kein Hindernis dar, im Gegenteil. Die Jugendlichen interessierten sich mehr für die Kriterien der Farbwahl: Aus dem Farbkonzept der Architekten, wählte ich nur zwei Farben aus, jedoch mit je drei Abstufungen versehen. Die heitere Wirkung dieser Kombination, von mir besonders erwünscht für trübe Tage, war in der kühlen dunklen Harderbastei gut zu testen. Das Ergebnis: Daumen hoch.

Für die Herstellung der Wettbewerbsentwürfe wurde ein erfahrener Drucker einbezogen. Nach mehreren Probedrucken an unterschiedlichen Maschinen konnten die 2,40 Meter langen Entwürfe gedruckt und, um den Glanzgrad von Fliesen zu simulieren, anschließend lackiert.

Mosaikabnahme 03Für die Herstellung des Mosaiks definierte ich Farbcodes, nach denen der Fliesenhersteller Labormuster fertigte. Schon die zweite Charge führte dann zur Freigabe für die Produktion. Bei den ersten Mustern fehlte noch die Farbtiefe wegen zu matter Glasuren. In einem nächsten Schritt musste die Lage jeder einzelnen Fliese mit Farbnummer festgelegt werden. Im Werk wurden die
ca. 4000 Fliesen nach diesem System ausgelegt und auf Netze geklebt. Die Freigabe des Mosaikes erfolgte zusammen mit dem Auftraggeber, den Stadtwerken und dem Architekten im Werk von Villeroy & Boch.

Nach der Montage des Mosaikes, noch vor dem Verfugen konnte nicht nur die korrekte Anordnung kontrolliert werden. Erstmals war es jetzt möglich die Durchsetzungsfähigkeit der Komposition bei Fernwirkung zu erleben. Mit der Auskleidung des Nischenumfeldes und der Montage der Beleuchtung rückte die Fertigstellung näher. Aber erst nach dem Füllen der Becken vervollständigte sich die Wirkung durch die Spiegelung im Wasser. Von einer Sitzbank gegenüber dem Kunstwerk kann der Betrachter mit einem Blick über die Wasserfläche in die Farbchromatik „Sommertag“ eintauchen.   Werner Kapfer

www.werner-kapfer.de

Mehr dazu lesen ... Kunst im neuen Sportbad | Werner Kapfer "Farbchromatik Sommertag"

Fotonachweis:
Foto oben: Fotograf Johannes Hauser (c)Werner Kapfer
Foto unten: (c)Werner Kapfer

 

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